Der Zuckersektor in Deutschland steckt in einer beispiellosen Krise. Denn Wettbewerbsverzerrungen auf dem Welt- und EU-Zuckermarkt bedrohen den Anbau in Deutschland. Für die Zuckerwirtschaft ist diese Situation existenzgefährdend – mit Folgen nicht nur für landwirtschaftliche Betriebe, sondern auch für die Beschäftigten der Zuckerindustrie, ländliche Räume und die Umwelt. Die Politik muss jetzt handeln.

Gekoppelte Zahlungen

Seit 2015 dürfen Mitgliedsstaaten in der EU gekoppelte Prämien für Zuckerrüben zahlen – eine Regelung für den Ausnahmefall. Häufig werden diese Zahlungen aber auch dort gewährt, wo keine Notwendigkeit besteht. Derzeit bezahlen elf EU-Mitgliedsstaaten ihren Landwirten gekoppelte Prämien für den Anbau von Zuckerrüben. Rund 30 Prozent der Anbaufläche in der EU werden so unterstützt – und das mit beträchtlichen Preisvorteilen. Denn die Höhe dieser Zahlungen liegt bei bis zu 630 € je Hektar, das bedeutet bis zu 90 € pro Tonne Zucker, bei einem Zuckerpreis von durchschnittlich 320 €/t (Stand: 12/2019). Für den Zuckerrübenanbau in Deutschland stellt dies einen klaren Wettbewerbsnachteil dar.

PDF-Download: Multitalent Zuckerrübe: Erstaunliche Fakten jenseits des süßen Geschmacks PDF-Download: Multitalent Zuckerrübe: Erstaunliche Fakten jenseits des süßen Geschmacks

Diskriminierung beim Pflanzenschutz

Die Europäische Kommission hat den Einsatz von Neonicotinoiden im Pflanzenschutz verboten. In Deutschland wird dies seit 2019 konsequent umgesetzt. 13 Länder in der EU haben dagegen Notfallzulassungen für den Einsatz dieser Pflanzenschutzmittel im Zuckerrübenanbau genehmigt. Für deutsche Landwirte bleiben nur Mittel, die teurer und gleichzeitig weniger wirksam sind. Dies führt zu erheblichen Ertragseinbußen. Deutschen Anbauern drohen dadurch Deckungsbeitragsverluste von bis zu 48 Prozent.

 

Preisdumping auf dem Weltmarkt

Heute können rund 95 Länder ihren Zucker zollfrei oder zum günstigen Tarif in die EU einführen. Seit 2013 sind die EU-Importkontingente für Drittländer um 73 % angestiegen, das entspricht der Kapazität von drei deutschen Zuckerfabriken. Doch die meisten und vor allem die größten Zuckererzeugerländer der Welt subventionieren direkt oder indirekt die Erzeugung bzw. die Ausfuhr von Zucker auf den Weltmarkt. Die Folge: Der Weltmarktpreis für Zucker ist dramatisch gesunken.