Der Zuckerrübenanbau in Deutschland ist massiv bedroht. Und das, obwohl es viele gute Gründe gibt, warum wir die Zuckerrübe und die Zuckerwirtschaft in Deutschland erhalten sollten.

Gut für die regionale Wirtschaft und die Kommunen

Der Zuckersektor schafft Arbeitsplätze und ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum. Über 25.000 Landwirte beziehen ihr Einkommen aus der Zuckerrübe. Über 5.000 Beschäftigte arbeiten in der Zuckerindustrie. Jeder Job in einer Zuckerfabrik trägt zu über 14 weiteren Arbeitsplätzen in vor- und nachgelagerten Bereichen bei – wie die von Spediteuren, Handwerkern und Zulieferern. Für knapp 80.000 Menschen in ländlichen Räumen in Europa ist die deutsche Zuckerindustrie also entscheidend. Das ist auch wichtig für kommunale Einnahmen. Denn 80 Prozent der Wertschöpfung der Zuckerindustrie verbleiben in der Region.
PDF-Download: Multitalent Zuckerrübe: Erstaunliche Fakten jenseits des süssen Geschmacks

Zuckerrüben schützen die Umwelt

Da die Zuckerrübe zu rund 75 % aus Wasser besteht, das während der Produktion aufgefangen und im gesamten Prozess genutzt wird, muss fast kein Frischwasser verwendet werden.

Darüber hinaus ist die Zuckerrübe in der Lage, den im Boden gebundenen Stickstoff optimal aufzunehmen. Dadurch liegt der Restnitratgehalt im Boden um über 50 % niedriger als bei anderen Pflanzen. So schützt die Zuckerrübe das Grundwasser und die Atmosphäre.

Auch zur Reduktion der Menge an Pflanzenschutz- und Düngemitteln trägt die Rübe bei. Sie gilt als „Gesundungsfrucht“ für getreidereiche Fruchtfolgen. Denn die Rübe ist keine Wirtspflanze für Getreideschädlinge und Krankheiten. Dadurch sinkt der Befall von Schädlingen und Krankheiten im Folgejahr.

Ferner wird jedes einzelne Teil der Zuckerrübe verwertet – daraus werden Zucker und weitere Produkte wie Tierfutter oder Düngemittel. Nichts wird weggeworfen. Auf diese Weise schont die Zuckerrübe unsere natürlichen Ressourcen und schützt so die Umwelt.

Süßes für das Klima

 

Über die gesamte Vegetationszeit macht die Zuckerrübe aus CO2 und Wasser unseren heimischen Zucker. Dabei produziert ein Hektar Zuckerrüben auch knapp 20 Millionen Liter Sauerstoff – so viel, wie 90 Menschen im Jahr benötigen.

Zusätzlich schonen Zuckerrüben fossile Roh- und Brennstoffe. Denn aus ihnen kann man schon heute biologisch abbaubare Verpackungen und Biokraftstoffe herstellen. Beispielsweise wird aus ihnen Bioethanol gewonnen. Dieser dient schon heute als Alternative oder Beimischung zu fossilen Kraftstoffen und kann den CO2-Ausstoß von Verbrennungsmotoren zum Teil deutlich reduzieren.

 

Die Rübe für mehr Artenvielfalt

Unter den gängigen Ackerkulturen ist die Rübe besonders, weil sie nicht hoch wächst, weil sie eine getreidelastige Fruchtfolge auflockert und weil sie länger als andere Hauptfrüchte noch den Boden bedeckt. Gerade das macht sie attraktiv für bodenbrütende Vögel wie Kiebitz und Feldlerche. Ihre Blätter bieten lange Schutz in den Brutphasen. Die nach der Ernte auf dem Feld verbleibenden Pflanzenreste sind bis in den Winter Nahrungsquelle für Insekten und damit auch für viele Vogelarten.

Viele Zuckerrübenanbauer legen Blühstreifen mit einer Mischung verschiedener blühenden Pflanzen an. Sie bieten Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten reichlich Nahrung und Lebensraum. Aus Zuckerrüben wird übrigens auch Bienenfutter hergestellt, mit dem Imker ihren Bienen über den Winter helfen.