Nutri-Score ist Irreführung

Die Lebensmittelampel lehnt die Ministerin zu Recht ab, weil sie den Verbraucher am Ende sogar täuschen kann. Dies gilt ebenso für das französische Nutri-Score-Modell, das aktuell auch in Deutschland diskutiert wird. Hier werden Lebensmittel auf Basis eines Algorithmus in fünf farbig unterlegte Kategorien unterteilt und damit Wissenschaftlichkeit suggeriert, die aber nicht zu einer ausgewogenen Ernährung führt. So erhält ein Menü aus Pommes-Frites, Schnitzel und einem Light-Softgetränk eine positive, grüne Bewertung („B“).

Auch ein Joghurtdrink erhielte ein „B“, obwohl er mehr Kalorien hat als eine Limo. Zudem belegt übrigens die einzige Studie zum Einkaufsverhalten mit Nutri-Score, die ein Peer-Review Verfahren durchlaufen hat, dass Verbraucher mit Hilfe des Modells nicht „gesünder“ einkaufen.1

Eine Gesamtbewertung ist keine Lösung

Unabhängig vom Algorithmus: Wie eine Ampelkennzeichnung führt Nutri-Score am Ende zu der pauschalen Gesamtbewertung eines einzelnen Lebensmittels. Dies kann keine Lösung sein. Denn Lebensmittel lassen sich nicht pauschal in gut und böse einteilen. Jeder Mensch ist anders und hat seinen ganz eigenen Bedarf an Nährstoffen und Kalorien – je nach Körperbau, Geschlecht oder Lebensstil. Zudem suggeriert jede Bewertung, ein „besseres“ Produkt könne beliebig viel konsumiert werden.

Außerdem bieten Gesamtbewertungen Verbrauchern keine Entscheidungshilfe, mit der sie ihre Kalorienbilanz, also ihr Körpergewicht, regulieren können.

Kalorienlogo – ein sinnvoller Beitrag zur Übergewichtsprävention

Als Hauptproblem in der aktuellen ernährungspolitischen Diskussion gilt das Übergewicht. Unser Ziel muss es deshalb sein, dieses in den Griff zu bekommen. Für das Körpergewicht ist letztlich die Kalorienbilanz entscheidend. Dafür muss der Verbraucher sensibilisiert werden.

Als Maßnahme zur Übergewichtsprävention muss daher eine hervorgehobene Kalorienangabe auf der Verpackungsvorderseite stehen – und zwar pro 100 Gramm oder Milliliter, sodass Verbraucher unterschiedliche Produkte anhand einer festen Größe vergleichen können. Mit einer solchen Kennzeichnung können die Kalorien bei der Produktauswahl und im Speiseplan stärker berücksichtigt werden. Ein Vorschlag, den übrigens auch die Ministerin bereits in Betracht gezogen hat, wie sie im September 2018 in einem Sonntagsinterview mit der B.Z. formulierte: „Die Gesamt-Kalorienzahl muss groß auf der Packung stehen.“

Auch der Vorschlag des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) beinhaltet die prominente Angabe der Kalorien und ergänzt so die bestehenden und gesetzlich vorgeschriebenen Systeme der Lebensmittelkennzeichnung.

Fazit:

Der Kalorienwert ist die entscheidende Information für Verbraucher. Heute findet der Verbraucher diese Angabe bereits in der Nährwerttabelle auf jedem verpackten Lebensmittel. Ein sinnvoller Beitrag zur Übergewichtsprävention könnte sein, dass zusätzlich eine hervorgehobene und leicht verständliche Kalorienangabe in Form eines Kalorienlogos auf der Verpackungsvorderseite steht.

 

 

1) Quelle: Julia et al, Impact of the front-of-pack 5-colour nutrition label (5-CNL) on the nutritional quality of purchases: an experimental study,
BMC 2016, https://ijbnpa.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12966-016-0416-4