Über das Ziel herrscht Einigkeit: Wir wollen Übergewicht bekämpfen. Und tatsächlich fragen sich viele Menschen: Wie schaffe ich das? Wie bekomme ich mein Körpergewicht unter Kontrolle? Worauf sollte ich achten, wenn ich mich ausgewogen ernähren möchte? Mit drei Maßnahmen können Politik und Wirtschaft Verbraucher dabei unterstützen, ihre Ernährung ausgewogen und ganz nach ihren persönlichen Bedürfnissen zu gestalten: indem sie Bewusstsein schaffen, Bildung fördern und Bewegung selbstverständlich machen.

1. Bewusstsein schaffen – Wir müssen über Kalorien sprechen und das Bewusstsein der Menschen für ihre persönliche Kalorienbilanz schärfen. Wer mehr Kalorien aufnimmt, als er verbraucht, nimmt zu. Entscheidend für das Körpergewicht ist also die Kalorienbilanz – das Verhältnis von Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch. Deshalb müssen wir über Kalorien sprechen und das Bewusstsein dafür schärfen, wie wichtig es ist, beides ins Gleichgewicht zu bringen. Hören wir endlich auf, über einzelne Zutaten zu debattieren und Scheinlösungen zu präsentieren, die gegen Übergewicht nicht weiterhelfen.

2. Bildung fördern – Die Menschen brauchen transparente und sachliche Ernährungsinformationen. Schon heute ist der Kaloriengehalt in der Nährwerttabelle auf jeder Produktverpackung zu finden. Gut, wenn das möglichst viele Verbraucher wissen. Kalorien müssen Thema in der Ernährungsbildung werden – und das schon in der Grundschule. So können Kinder Kompetenzen erwerben, die sie für ein stärkeres Kalorienbewusstsein benötigen.

3. Bewegung selbstverständlich machen – Viele Menschen verbrauchen heute weniger Kalorien, weil sie sich in Beruf und Freizeit weniger bewegen. Deshalb müssen wir Anreize für mehr Bewegung setzen – in Schule, Beruf und Freizeit.

 

Gegen Übergewicht erreichen wir nur etwas, wenn wir die Kalorienbilanz ins Visier nehmen. Eine Debatte um einzelne Zutaten macht niemanden schlanker. Eine ehrliche Reformulierung muss daher mit einer signifikanten Kalorienreduktion einhergehen. Nur dann kann sie einen Beitrag gegen Übergewicht leisten. Eine Produktreformulierung, bei der es nur um die Reduktion einzelner Zutaten geht, hilft niemandem und kann Verbraucher sogar zu falschen Schlüssen verleiten. Das wird deutlich am Beispiel Zucker: Wird in einem festen Lebensmitteln der Zucker reduziert, führt das nicht automatisch auch zu weniger Kalorien. Zuckerreduktion heißt hier Zuckeraustausch – der Zucker muss aufgrund seiner vielfältigen funktionellen Eigenschaften (u. a. Geschmack, Volumen, Textur, Haltbarkeit) durch andere Zutaten ersetzt werden. Und die sind ebenfalls kalorienhaltig. Daher bleibt der Kaloriengehalt in der Regel gleich oder nimmt mitunter sogar zu.

Ernährung ist und bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks und des persönlichen Bedarfs. Was für den einen richtig ist, kann für den anderen falsch sein. Deshalb muss auch künftig jeder Mensch selbst bestimmen können, was auf seinen Teller kommt.

Bewusstsein schaffen, Bildung fördern, Bewegung selbstverständlich machen – damit mehr Menschen ihre Ernährung ausgewogen gestalten und Übergewicht vorbeugen können.

 

 

Quellen:

[1] Anderson J. J., Celis-Morales C. A., Makay D. F., Iliodromiti S., Lyall D. M., Sattar N., Gill J. M. R., Pell J. P.: Adiposity among 132479 UK biobank participants; contribution of sugar intake vs other macronutrients; Int J Epidemiol. 2016; 1-10. doi: 10.1093/ ije/dyw173.

[2] Vgl. Sacks, Frank M., et al.: Comparison of Weight-Loss Diets with Different Compositions of Fat, Protein, and Carbohydrates, New England Journal of Medicine, February 26, 2009.

[3] Repräsentative Umfrage der INNOFACT AG im Auftrag der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker e.V. unter 2.024 Personen im Dezember 2015.

[4] Ebd.

[5] Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel.

[6] Repräsentative Umfrage der INNOFACT AG im Auftrag der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker e.V. unter 2.024 Personen im Dezember 2015.

[7] Vgl. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung (SGE), Schweizerische Vereinigung für Ernährung (SVE) (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Umschau Buchverlag, 1. Auflage, 5., korrigierter Nachdruck 2013.

[8] Für mehr Informationen: http://bit.ly/2h2qZLR