Pieper K. Epidemiologische Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2009. Gutachten, Bonn 2010. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. (DAJ).


Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) dokumentiert seit Jahren die gruppenprophylaktischen Maßnahmen und führt zudem Erfolgskontrollen durch. Für die DAJ-Studie 2009 liegen Daten zur Kariesprävalenz von 6- bis 7-, 12-, und 15-Jährigen aus allen 16 Bundesländern vor. In allen Altersklassen zeigt sich ein deutlicher Rückgang in der Kariesprävalenz. Ebenso zeigt sich, dass vom Kariesrückgang sowohl Kinder mit hoher als auch mit niedriger Kariesgefährdung profitieren.

Zur Verbesserung der präventiven Versorgung von Schulkindern wurde im Jahr 1989 eine Regelung zur Finanzierung der Gruppenprophylaxe durch die Krankenkassen getroffen und gleichzeitig eine Dokumentation und Erfolgskontrolle vorgeschrieben. Zugleich wurde auch die Durchführung einer Individualprophylaxe in Zahnarztpraxen festgelegt. Um den Erfolg der Maßnahmen zu messen, sind regelmäßige zahnmedizinische Untersuchungen der beteiligten Kinder notwendig. Vor diesem Hintergrund hatte die DAJ im Jahr 1993 zunächst festgehalten, alle drei Jahre in allen Bundesländern repräsentative Erhebungen bei 6- bis 7-Jährigen sowie bei Kindern im Alter von 9 bis 12 Jahren durchzuführen.

In der dritten DAJ-Studie im Jahr 2000 zeigte sich eine deutliche Verbesserung sechs Jahre nach Einführung der neuen Maßnahmen, sodass die nächste Untersuchung erst 2004 angesetzt wurde. Nun wurden, anstelle der 9-Jährigen, 15-Jährige untersucht, um zu prüfen, wie sich die Mundhygiene nach dem Auslaufen der Gruppenprophylaxe entwickelt.

Die vorliegende DAJ-Studie wurde nach weiteren fünf Jahren durchgeführt. Im Fokus der Untersuchung standen vor allem durch Karies verursachte Zahnschäden sowie die Fissurenversiegelungen. In den beteiligten Landesarbeitsgemeinschaften wurden Schulungen durchgeführt, um eine Vergleichbarkeit der Erhebungen in den verschiedenen Bundesländern zu ermöglichen. Für jedes Bundesland wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen, welche 10 % der relevanten Schulen umfassen sollte. Als Parameter wurden der dmf-t-Wert (decayed-missing-filled teeth) (Milchgebiss) und der DMF-T-Wert (permanentes Gebiss) erhoben. Des Weiteren wurde der SiC-Index (Significant Caries Index) bestimmt, indem für das Drittel der jeweiligen Population mit den höchsten DMF-T-Werten der Mittelwert berechnet wurde.

Für die DAJ-Studie 2009 liegen Daten zur Kariesprävalenz von 6- bis 7-, 12-, und 15-Jährigen aus allen 16 Bundesländern vor. In der jüngsten Unterstichprobe lag der mittlere dmf-t-Wert zwischen 1,3 und 2,56, je nach Bundesland. Verglichen mit der DAJ-Studie aus dem Jahr 1994/1995 ist dies ein Rückgang um maximal 43,5 %. Der Sanierungsgrad der Milchzähne variierte zwischen den Bundesländern stark (38,8 % bis 57,7 % der kariösen Milchzähne waren nicht versorgt). Die erreichten Werte werden dennoch als zu hoch angesehen. Es sollten noch weitere Anstrengungen unternommen werden, um das erklärte Ziel zu erreichen, dass 80 % der 6- bis 7-Jährigen bis 2020 kariesfrei sein sollen.

Bei den 12-jährigen Kindern war die Kariesprävalenz sehr gering. Die DMF-T-Werte bewegten sich je nach Bundesland zwischen 0,56 bis 1,06. Der Kariesrückgang lag somit zwischen 60 % und 76,7 %. In der ältesten Probandengruppe (15-Jährige) wurden DMF-T-Werte zwischen 0,93 und 2,02 erfasst.

Bei den 6- bis 7-Jährigen betrug der mittlere dmf-t-Wert, berechnet als Mittelwert auf Bundesebene, 1,87 im Jahr 2009. Somit zeigte sich ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den zurückliegenden Untersuchungen (1997: 2,39; 2000: 2,21; 2004: 2,16). Das Auftreten von Karies sank zwischen 1994/95 und 2009 um 36,8 %.

Zwischen 1994/95 und 2009 zeigte sich bei den 12-Jährigen ein Rückgang im DMF-T-Wert von 2,44 auf 0,72, was einen Rückgang um 72,7 % bedeutet. Bei den 15-jährigen Teilnehmern verringerte sich der DMF-T-Wert für Deutschland von 2,05 auf 1,41.

Wenn auch nach wie vor eine deutliche Polarisation der Kariesprävalenz auftritt, so profitieren vom allgemeinen Kariesrückgang sowohl Kinder mit niedrigen als auch mit hohem Kariesrisiko. Dies zeigt sich an den SiC-Werten: bei den 12-Jährigen lag dieser 1994/95 noch zwischen 4,88 und 6,41 und im Jahr 2009 sank dieser auf 1,68 bis 3,05.

 

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