Core Report EURODIET – Nutrition & Diet for Healthy Lifestyles in Europe, Science & Policy Implications, Juni 2000.


Vor dem Hintergrund der steigenden Zahlen chronischer Erkrankungen, die mit einer unausgewogenen Ernährung und körperlicher Inaktivität einhergehen, wurde im Oktober 1998 das Eurodiet Projekt initiiert, mit dem Ziel, in der Europäischen Union (EU) einen Beitrag zur Gesundheitsförderung im Bereich Ernährung und gesundem Lebensstil zu leisten.

Die Ernährung wird als ein bedeutender Einflussfaktor auf unsere Gesundheit angesehen. Eine unausgewogene Ernährung und ein sitzender Lebensstil gelten als Mitverursacher verschiedener nicht übertragbarer Erkrankungen in Europa, sodass es unabdingbar ist, sich dieser Thematik anzunehmen. Aufgrund der unterschiedlichen Esskulturen und Traditionen innerhalb Europas muss die wissenschaftliche Evidenz die Ausgangsbasis für eine solche Debatte sein.

Vor diesem Hintergrund startete im Oktober 1998 das von der EU-Kommission finanzierte „Eurodiet Projekt“, welches zum Ziel hatte, einen Beitrag zu einer EU-übergreifenden Gesundheitsförderung im Bereich Ernährung und gesunder Lebensstil zu leisten, ein Netzwerk in diesem Bereich aufzubauen und einen Aktionsplan für die Entwicklung europäischer Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Das Projekt umfasste vier Aufgabenstellungen:

Analyse und Evaluation der wissenschaftlichen Evidenzlage bezüglich:

  1. des Zusammenhangs zwischen Gesundheit und bestimmten Nährstoffen
  2. der Übertragung von Nährstoffen in lebensmittelbasierte Empfehlungen
  3. der Strategien zur effektiven Förderung des Verzehrs bestimmter Lebensmittel und einer gesunden Lebensweise
  4. der bestehenden Möglichkeiten und vorhandenen Barrieren in den politischen Rahmenbedingungen.
  5. PDF-Download: Das Eurodiet Projekt

Als Ergebnis des ersten Arbeitsbereichs werden für die europäische Bevölkerung Ziele in Hinblick auf bestimmte Nährstoffe, Lebensmittel oder Verhaltensweisen angegeben, die von verschiedenen nationalen oder internationalen Fachgruppen erarbeitet wurden. Die Experten kommen unter anderem zu dem Resultat, dass das Maß für die körperliche Aktivität (PAL = physical activity level), welches sich aus dem Quotienten des durchschnittlichen täglichen Energieumsatzes und dem Grundumsatz ergibt, bei mehr als 1,75 liegen sollte. Ausreichende Bewegung trägt nicht nur dazu bei, einer Gewichtszunahme entgegenzusteuern, sondern auch zum allgemeinen Wohlbefinden und der Prävention von nicht übertragbaren Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hohem Blutdruck, Schlaganfall oder einigen Krebsarten.

Für Fett wird vor dem Hintergrund der Primärprävention von Übergewicht ein Wert von weniger als 30 Energieprozent pro Tag vorgeschlagen. In Bezug auf die Kohlenhydrataufnahme wird ein Wert von mindestens 55 Energieprozent empfohlen, wobei die Aufnahme reich an Nicht-Stärke-Polysacchariden sein sollte, wie beispielsweise Ballaststoffen. Mit Bezug auf die Prävention von Karies wird die Empfehlung ausgesprochen, die Verzehrhäufigkeit für Zucker und zuckerreiche Lebensmittel auf viermal pro Tag zu beschränken.

Von Obst und Gemüse sollten mehr als 400 Gramm pro Tag verzehrt werden, was somit auch eine adäquate Aufnahme von Folsäure und Ballaststoffen, für die mindestens 25 Gramm pro Tag empfohlen werden, unterstützt. Zudem werden für den BMI, die verschiedenen Fettsäurearten, Salz, Iod und die Länge der Stillzeit Empfehlungen ausgesprochen.

Bei der zweiten Aufgabenstellung, der Entwicklung eines Konzepts für lebensmittelbasierte Ernährungsempfehlungen (Food-Based Dietary Guidelines: FBDG) in der EU, kommt die Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis, dass FBDG auf Basis eines spezifischen Gesundheitsproblems und nicht aufgrund einer inadäquaten Aufnahme eines bestimmten Nährstoffs entwickelt werden sollten. Des Weiteren soll die Formulierung von FBDG die üblichen Verzehrgewohnheiten genauso wie die soziale Lage und die kulturellen Gegebenheiten der Bevölkerung miteinbeziehen. Somit können sich Empfehlungen zwischen den europäischen Ländern unterscheiden. Die Autoren kommen außerdem zu dem Ergebnis, dass eine für alle EU-Länder zutreffende FBDG die Steigerung des Obst- und Gemüsekonsums, eine Zunahme der körperlichen Aktivität und eine Prävalenzsteigerung des Stillens sein könnte.

Im dritten Arbeitspaket wurden praktische Vorschläge für Strategien der Gesundheitsförderung erarbeitet. Aufgrund der Datenanalyse kommen die Experten zu dem Ergebnis, dass populationsweite, integrierte und multidisziplinäre Ansätze, die verschiedene Aktivitäten beinhalten und Individuen, Gemeinden, das Umfeld sowie die Gesellschaft, in der die Menschen leben, einbeziehen, am effektivsten sind. Abschließend schlussfolgern die Experten in der vierten Arbeitsgruppe, dass die EU-Ernährungspolitik sicherstellen sollte, dass das Ziel, eine ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität zu fördern, in alle staatlichen Politikmaßnahmen integriert wird, besonders in die gemeinsame Agrarpolitik.

 
PDF-Download: Das Eurodiet Projekt