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Wissenschaftliche Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu Referenzwerten für die Aufnahme von Kohlenhydraten und Ballaststoffen


European Food Safety Authority (EFSA): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for carbohydrates and dietary fibre. The EFSA Journal 2010; 8(3): 1462, S. 25.


Die EFSA hat im Jahr 2010 ein Gutachten zu Referenzwerten für die Aufnahme von Kohlenhydraten – einschließlich Zucker – sowie Ballaststoffen veröffentlicht. Die EFSA kommt zusammengefasst zu dem Ergebnis, dass die Aufnahme von Kohlenhydraten, zu denen stärkehaltige Lebensmittel wie Nudeln, Kartoffeln ebenso wie Zucker zählen, bei Erwachsenen und Kindern zwischen 45 % und 60 % der Gesamtenergie betragen sollte. Die Datenlage erlaubt keine Ableitung einer Verzehrobergrenze für die Zuckeraufnahme.

Die EFSA bildet im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit die Basis für die Risikobewertung der Europäischen Union (EU). Ihre Aufgabe ist es, in enger Zusammenarbeit mit nationalen Behörden und betroffenen Interessengruppen, unabhängige wissenschaftliche Beratung über mögliche Risiken in den Gebieten Lebens- und Futtermittel, ernährungsbezogene Aspekte sowie Schutz und Gesundheit von Pflanzen und Tieren, bereitzustellen.

Basis der Empfehlungen für die Aufnahme von Kohlenhydraten – einschließlich Zucker – sowie Ballaststoffen ist eine ausführliche Datenauswertung von Studien, die sich mit der Kohlenhydrat-, Zucker- und Ballaststoffaufnahme und dem täglichen Nährstoffbedarf, dem Körpergewicht, Typ-2-Diabetes, Karies und weiteren Erkrankungen befassen.

Nach Auswertung der Literatur kommt die EFSA zu dem Ergebnis, dass die vorhandene zugrundeliegende Datenlage zu den Themen Zuckeraufnahme und Körpergewicht, Karies, Typ-2-Diabetes, Nährstoffdichte, Glukosetoleranz und Insulinsensitivität, Serumlipide sowie zum Thema weiterer kardiovaskulärer Risikofaktoren keine Ableitung einer Verzehrobergrenze für Zucker erlaubt.

Im Detail betont die EFSA in Bezug auf den Konsum von Zucker und die Entstehung von Karies, dass ein häufiger Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel das Risiko für Zahnkaries erhöhen kann. Dies geschieht jedoch vor allem, wenn die Mundhygiene und die regelmäßige Fluoridprophylaxe unzureichend sind. Die Entstehung von Karies ist multifaktoriell bedingt. Neben dem Konsum von Zucker und anderen fermentierbaren Kohlenhydraten spielen die Mundhygiene, die Verwendung von Fluoriden, die Häufigkeit des Konsums aller fermentierbaren Kohlenhydrate sowie eine Vielzahl weiterer Faktoren eine Rolle. Vor diesem Hintergrund schlussfolgert die EFSA, dass die verfügbaren Daten keine Festlegung eines Grenzwertes für die Höhe des Zuckerkonsums erlauben. Vielmehr ist die Frequenz des Konsums entscheidend.

Darüber hinaus stellt die EFSA auch bezüglich der Wirkung auf die Nährstoffdichte, die Serumlipide und auf andere kardiovaskuläre Erkrankungen heraus, dass die Evidenz für einen etwaigen Zusammenhang mit dem Zuckerkonsum nicht ausreichend ist, um einen Grenzwert für Zucker festzulegen. Generell merkt sie an, dass die individuellen Ernährungsgewohnheiten, also die Arten der verzehrten Lebensmittel insgesamt und weniger die Gesamtverzehrmenge von Zucker in Bezug auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen, entscheidend sind.

Bezüglich des Zuckerkonsums und der Entwicklung des Körpergewichtes sowie des Risikos für die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 stellt die EFSA klar, dass die Datenlage auch hier nicht ausreichend ist, um eine Verzehrobergrenze zu definieren. Auch wenn möglicherweise eine hohe Aufnahme zuckergesüßter Getränke eine Gewichtszunahme bzw. das Risiko für die Entwicklung von Diabetes mellitus Typ 2 begünstigen könnte, sieht die EFSA aufgrund der aktuellen Datenlage keine Notwendigkeit, einen Grenzwert für den Zuckerkonsum festzulegen.

Bezüglich der Aufnahme von Gesamtkohlenhydraten kommt das Gremium zu der Schlussfolgerung, dass die Gesamtkohlenhydrataufnahme – darunter sowohl stärkehaltige als auch einfache Kohlenhydrate wie Zucker – zwischen 45 % und 60 % der täglichen Energie liegen sollte.

Für die Ballaststoffaufnahme wird nach Analyse der Literatur eine tägliche Aufnahme von 25 Gramm für eine normale Darmfunktion bei Erwachsenen als ausreichend angesehen. Für Kinder ab einem Jahr ist eine Ballaststoffaufnahme von 2 Gramm pro Megajoule adäquat. Die Bedeutung des glykämischen Index und der glykämischen Last für die Prävention von Übergewicht und weiteren nichtübertragbaren Krankheiten ist nach wie vor inkonsistent und bedarf weiterer Studien.

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