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Übergewicht und Adipositas in Deutschland: Ergebnisse der DEGS1

Ergebnisse der Studie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)


Mensink G.B.M., Schienkiewitz A., Haftenberger M., Lampert T., Ziese T., Scheidt-Nave C.: Übergewicht und Adipositas in Deutschland – Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt 2013; 56(5/6): S. 786–794.


Zwischen 2008 und 2011 wurde im Rahmen einer nationalen Gesundheitsstudie (DEGS1) eine repräsentative Stichprobe von deutschen Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren hinsichtlich des Auftretens von Übergewicht und Adipositas analysiert. Dabei ergab sich, dass 67,1 % der teilnehmenden Männer und 53,0 % der Frauen übergewichtig waren. Diese Werte waren mit denen vergleichbar, die sich 1998 aus einer vorangegangenen nationalen Studie ergaben. Die Adipositasprävalenz war seitdem jedoch besonders bei jungen Erwachsenen deutlich angestiegen und betraf 23,3 % der Männern und 23,9 % der Frauen (1998 18,9 % der Männer und 22,5 % der Frauen).

In den letzten Dekaden ist in vielen Staaten die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas stark angestiegen. Aufgrund der immensen Bedeutung für die Lebensqualität der Betroffenen sowie der Entstehung von Folgeerkrankungen besteht seitens des öffentlichen Gesundheitswesens ein Interesse, die Entwicklung des Auftretens von Adipositas zu analysieren.

Die erste Erhebung der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) fand in den Jahren 2008 bis 2011 als gemischte Studie statt, die sowohl Quer- als auch Längsschnittanalysen ermöglicht. Sie umfasste 8.152 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren, von denen 3.959 schon an dem Bundesgesundheitssurvey 1998 (BGS98) teilgenommen hatten, so dass Querschnittsanalysen und Trendaussagen im Vergleich zu dem BGS98 und für Probanden im Alter von 25 bis 69 Jahren auch mit der nationalen Gesundheitsstudie von 1990/92 möglich waren.

Die Studienteilnehmer nahmen an einer Befragung teil, die neben der Erhebung demografischer Merkmale der Ermittlung des sozioökonomischen Status diente. Dieser wurde aus Angaben zu schulischer und beruflicher Ausbildung, beruflicher Stellung und dem Haushaltsnettoeinkommen bestimmt. Weiterhin wurden an 7.238 Personen anthropometrische Messungen zur Erfassung von Körpergewicht und Körpergröße durchgeführt. Daraus wurde der Körpermassenindex (BMI) berechnet und die Zuordnung zu Übergewicht (BMI ≥ 25 kg/m²), Präadipositas (BMI ≥ 25 bis < 30 kg/m²) oder Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²) nach Kriterien der WHO vorgenommen.

Da sich die Altersstruktur der Bevölkerung seit 1998 stark verändert hat und die Gewichtsentwicklung einen Zusammenhang mit dem Alter aufweist, wurden für die Darstellung der zeitlichen Entwicklung die Daten der BGS98 auf die Altersstruktur 2010 standardisiert.

Die Ergebnisse zeigen eine Beziehung zwischen der Körpergröße und dem Alter: Frauen im Alter von 70–79 Jahren sind etwa 7 cm kleiner als die im Alter von 18–29 Jahren, bei Männern beträgt dieser Unterschied knapp 8 cm. Dies ist auf eine Akzeleration des Wachstums zwischen den Geburtskohorten zurückzuführen, teilweise aber auch auf einen Verlust von Knochenmasse im Alter.

Bei Frauen nimmt das Körpergewicht mit steigendem Alter bis 69 Jahre stetig zu. Bei Männern ist das Körpergewicht der 30- bis 39-Jährigen deutlich höher als bei den 18- bis 29-Jährigen, in den höheren Altersgruppen ist die Differenz geringer, und bei den 70- bis 79-Jährigen ist das Gewicht im Durchschnitt niedriger als bei den 60- bis 69-Jährigen. Auch der mittlere BMI steigt bei beiden Geschlechtern mit dem Alter, wobei eine leicht rechtsschiefe Normalverteilung vorliegt.

Zwischen den Studien BGS98 und DEGS1 haben sich die mittlere Körpergröße und das mittlere Körpergewicht bei Frauen kaum verändert, nur in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen hat das Körpergewicht signifikant zugenommen. Männer sind der neueren Studie nach im Vergleich etwas schwerer und größer, der mittlere BMI hat sich bei beiden Geschlechtern jedoch nicht signifikant verändert.

Mehr als 60 % der jungen Erwachsenen weisen Normalgewicht auf. Dieser Anteil nimmt mit zunehmender Altersgruppe bei Frauen gleichmäßig ab, während bei Männern ein starker Anstieg des Übergewichts im jungen Erwachsenenalter zu beobachten ist.

Von den 70- bis 79-Jährigen haben lediglich noch etwa ein Sechstel (17,8 % der Frauen, 17,4 % der Männer) Normalgewicht. Entsprechend nehmen die Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas mit zunehmendem Alter zu. Insgesamt sind derzeit unter den 18- bis 79-Jährigen 67,1 % der Männer und 53,0 % der Frauen übergewichtig. Die Adipositasprävalenz liegt in DEGS1 insgesamt für Männer bei 23,3 % und für Frauen bei 23,9 %.

Gegenüber älteren Erhebungen zeigt sich eine Annäherung der Prävalenzen für Übergewicht und Adipositas in den alten und neuen Bundesländern. Des Weiteren sind sowohl Frauen als auch Männer mit niedrigem soziökonomischem Status häufiger von Adipositas betroffen.

Im Verlauf der drei nationalen Untersuchungen zeigt sich bei Frauen keine Veränderung der Übergewichtsprävalenz, bei Männern ergab sich ein signifikant steigender Trend. Für die Prävalenz von Adipositas ergibt sich bei beiden Geschlechtern eine signifikante Zunahme besonders in den jüngsten Altersgruppen.

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