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Süßer Heinrich

Vor mehr als 60 Jahren kam der Zuckerportionierer auf den Markt und trat seinen Siegeszug unter dem Namen „Süßer Heinrich“ an. Welcher Gegenstand das ist? Der Zuckerstreuer versüßt dank eines raffinierten Rohreinsatzes Tee oder Kaffee jedes Mal mit der gleichen Menge Zucker.

Wer kennt ihn nicht – den legendären Zuckerstreuer „Süßer Heinrich“, der bereits bei der Tante auf dem Kaffeetisch stand und auch heute noch in Cafés und Restaurants anzutreffen ist? Zuckerstreuer gibt es seit langer Zeit. Aber sie hatten einen großen Nachteil: Waren die Streuöffnungen zu klein, verstopften sie ständig – durch den Dampf heißer Getränke oder die Luftfeuchtigkeit. Waren sie zu groß, ließ sich der Zucker schlecht dosieren. Ein ungelöstes Problem – bis ein Hesse eine Erfindung machte, die den Zucker nicht nur streufähig hielt, sondern auch noch genau portionierte und hygienisch dosierte.

Sechsfacher Vater mit Erfindergeist

Heinrich Kurz, der dem Zuckerportionierer seinen Namen gab, hätten viele seinen erfinderischen Geist auf den ersten Blick nicht zugetraut. Er war weder Physikprofessor noch Ingenieur, sondern gelernter Sattler und lebte in dem kleinen hessischen Ort Nidderau. Da seine Frau früh starb, musste er seinen Beruf aufgeben, um sich um seine sechs Kinder zu kümmern. Vielleicht galt hier das Motto „Not macht erfinderisch“. Es wird erzählt, dass er seine Kinder vorwiegend mit Kartoffelpfannkuchen ernährte – vielleicht kam ihm dabei die Idee für den ersten Pfannkuchenwender. Um die Wäsche von sieben Personen zu waschen, soll er eine Waschmaschine mit drehbarer Trommel entwickelt haben, in die er Wurzelbürsten eingeschraubt hatte. Auch eine Idee, wie der schiefe Turm von Pisa wieder gerade gerückt werden könnte, stammt von ihm.

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Geniale Konstruktion

Was Kurz zu seiner nachhaltigsten Erfindung angeregt hat, lässt sich heute nicht mehr ergründen. War es der spätabendliche Kaffeegenuss? Oder das Gerangel seiner Kinder um die Zuckerdose am Frühstückstisch? Sicher ist in jedem Fall, dass es der Zucker war, der Heinrich Kurz zu der Erfindung inspirierte, die sich schon mehr als sechs Jahrzehnte lang bewährt hat und bis heute als „Süßer Heinrich“ auf seinen Erfinder verweist: ein Zuckerstreuer aus Glas mit einem metallenen Streurohr in der Deckelmitte. Durch eine Öffnung im Rohr wird immer dieselbe Zuckermenge entnommen. Eine ebenso einfache wie geniale Konstruktion, mit der die Probleme früherer Zuckerstreuer geschickt umgangen wurden.

Saubere Portionierung

Ob Kurz damals ahnte, wie bekannt seine Erfindung werden sollte? Mit dem patentierten und 1954 erstmals verkauften Zuckerstreuer trafen Erfinder und Herstellerfirma Helly jedenfalls den Nerv der damaligen Zeit. Denn in den Wirtschaftswunderjahren war Zucker endlich wieder erschwinglich. Man wollte Lebensmittel nicht einfach verbrauchen, sondern auch formschön präsentieren. Eine der wichtigsten Eigenschaften des „Süßen Heinrich“ ist, dass er eine hygienische Portionierung von Zucker möglich macht. Keiner musste sich mehr Gedanken machen, wie viele Löffel bereits in der Zuckerdose waren – besonders für Cafés und Imbisse eine dankbare Erfindung.