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Obstkonsum und Fluoridapplikation beeinflussen die Prävalenz von Karies und Dentalerosion bei Vegetariern – eine kontrollierte klinische Studie

Staufenbiel I., Adam K., Deac A., Geurtsen W., Günay H.: Influence of fruit consumption and fluoride application on the prevalence of caries and erosion in vegetarians — a controlled clinical Trial.

Das Zahnhartgewebe ist säureempfindlich. Dabei sind zwei Prozesse von Bedeutung: Die Entstehung von kariösen Kavitäten als Folge von bakterieller Säurebildung aus fermentierbaren Kohlenhydraten der Nahrung sowie eine flächige Dentalerosion durch Säuren, die mit der Nahrung aufgenommen werden oder z.B. bei Refluxerkrankungen endogenen Ursprungs sind. Inwiefern sich die unterschiedlichen Ernährungsweisen von Vegetariern und Nichtvegetariern auf Dentalerosion und Kariesprävalenz auswirken, wurde in dieser Studie auch unter dem Aspekt der Verwendung von Fluoriden zur Remineralisierung der Zahnhartsubstanz untersucht.

200 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 41,45 ± 14,14 Jahre nahmen an der Studie teil, darunter 100 Vegetarier, die seit mindestens zwei Jahren auf Fleisch, Fisch und Geflügel verzichteten, sowie 100 Nichtvegetarier (jeweils 71 Frauen und 29 Männer). Sie wurden klinisch untersucht, wobei u.a. jeweils ein Karies- und Hygieneindex bestimmt wurde. Durch Fragebögen wurden Essgewohnheiten, Maßnahmen zur Mundpflege und Bildungsgrad ermittelt.

Der Hygieneindex der Vegetarier war signifikant höher als bei den Nichtvegetariern (50,62 ± 18,16 versus 35,7 ± 16,98, p < 0,001). Die Kariesindizes DMFT und DMFS unterschieden sich zwischen den beiden Gruppen nicht. Trotzdem hatten die Vegetarier signifikant häufiger kariöse Zähne und Zahnoberflächen als die Nichtvegetarier (DT 1,07 ± 1,89 versus 0,51 ± 1,91, p = 0,001 bzw. DS 4,41 ± 6,00 versus 2,27 ± 4,75, p < 0,001).

Die Vegetarier wiesen deutlich mehr Zähne mit Dentalerosion (0,98 ± 2,7 versus 0,4 ± 1,5, p = 0,026), Wurzelkaries (0,75 ± 1,99 versus 0,27 ± 2,11, p = 0,002) und überhängenden Restaurationsrändern (1,26 ± 1,58 versus 0,26 ± 0,82, p < 0,001) auf als die Personen mit herkömmlicher Ernährung. Der Vergleich von Vegetariern mit und ohne topische Fluoridapplikation zeigte, dass bei Gebrauch fluoridierter Zahnpflegeprodukte die Kariesindizes und die Anzahl von Zähnen mit Dentalerosion signifikant geringer waren als bei Vegetariern, die keine fluoridhaltigen Produkte verwendeten. Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass Vegetarier seltener fluoridierte Zahncremes und Speisesalz mit Fluorid benutzten als Nichtvegetarier. Die Annahme, dass Vegetarier vermehrt Obst zu sich nehmen, wurde durch die Befragung bestätigt.

Die Ergebnisse deuten an, dass Vegetarier trotz ihrer als gesünder eingestuften Ernährungsweise und einer guten Mundpflege einem höheren Risiko für Karies und Dentalerosion ausgesetzt sind. Besonders Personen mit einem hohen Verzehr von Obst sollten auf deren kariogenes und erosives Potential hingewiesen werden. Weiter sollten sie dazu angeregt werden, zur Remineralisierung der Zahnoberflächen fluoridhaltige Produkte für die Zahnpflege einzusetzen, um der Entstehung von Karies und Dentalerosion entgegenzuwirken.

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