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Nachfolgemodell des Deutschen Diabetes-Risiko-Tests und dessen externe Validierung in der deutschen MONICA/KORA Studie


Mühlenbruch K., Ludwig T., Jeppesen C., Joost H.G., Rathmann W., Meisinger C., Peters A., Boeing H., Thorand B., Schulze M.B.: Update of the German Diabetes Risk Score and external validation in the German MONICA/KORA study. Diabetes Res Clin Pract. 2014; 104(3): S. 459–466.


Die Einbeziehung der Familienanamnese als Risikofaktor im Deutschen Diabetes-Risiko-Test verbesserte die Vorhersagequalität des Modells in Bezug auf die Unterscheidung und Eingruppierung in Risikokategorien. Der zuvor von dieser Arbeitsgruppe etablierte Deutsche Diabetes-Risiko-Test (German Diabetes Risk Score, GDRS) ist geeignet, um aus bekannten Risikofaktoren sowie Merkmalen der Ernährung und des Lebensstils auf nichtinvasive Art das individuelle 5-Jahres-Risiko für einen Diabetes Typ 2 zu berechnen. Aufgrund der zuvor verfügbaren Daten war es bislang nicht möglich, die Familienhistorie für Diabetes miteinzubeziehen. Die Erweiterung des Modells um diese Variable wurde nun zu einer Optimierung genutzt und das Folgemodell wurde mit Hilfe einer weiteren Studie evaluiert.

Die zwischen 1994 und 1998 durchgeführte „European Prospective Investigation into Cancer and Nutritition (EPIC) – Potsdam Study“ umfasste 27.548 Personen im Alter von ca. 35–65 Jahren. Zu Beginn wurden bekannte Risikofaktoren für Diabetes durch klinische Untersuchungen (Alter, Körpergröße, Taillenumfang, Bluthochdruck) und Befragungen (Lebensstil, Ernährung) erfasst. In mehreren Folgeuntersuchungen nach jeweils zwei bis drei Jahren wurde der Diabetesstatus bestimmt. Bei der fünften Folgeuntersuchung wurde auch eine Untersuchung von Diabeteserkrankungen in der Familie (Eltern und Geschwister) durchgeführt. Nach fünf Jahren wurde bei 492 von 21.846 Personen ein Diabetes festgestellt.

Die MONICA/KORA-Studie (Multinational MONItoring of trends and determinants in CArdiovascular diseases/Cooperative Health Research in the Region of Augsburg) wurde für die Evaluierung des erweiterten Modells genutzt. Nach Ausschluss ungeeigneter oder unvollständiger Datensätze wurden 7.797 Teilnehmer über durchschnittlich 12 Jahre hinweg erfasst. Nach fünf Jahren wurden in dieser Studie 211 neue Diabeteserkrankungen beobachtet. Beim Vergleich beider Studien wurden die betrachteten Risikofaktoren (Alter, Körpergröße, Taillenumfang, Bluthochdruck, Rauchen, körperliche Aktivität, Alkohol- und Kaffeekonsum, Verzehr von rotem Fleisch und Vollkornbrot) nach Möglichkeit auf identische Weise erfasst. Die Risikoabschätzung basierte auf COX-Regressionsanalysen. Die Qualität des Folgemodells wurde mit dem vorangegangenen Modell durch Unterschiede in den Flächen unter den Grenzwertoptimierungskurven (ROC-AUC) sowie durch Berechnung des Reklassifizierungsindex (net reclassification index, NRI), basierend auf fünf Risikokategorien, verglichen.

Die 5-Jahres-Inzidenz von Diabetes betrug in der EPIC-Studie 2,3 % und in der MONICA/KORA-Studie 2,7 %. Hinsichtlich der Risikofaktoren waren beide Studien etwa vergleichbar. Teilnehmer der EPIC-Studie waren etwas jünger, häufiger weiblich und seltener starke Raucher im Vergleich zur MONICA/KORA-Studie. Die gemessene körperliche Aktivität unterschied sich in beiden Studien vermutlich aufgrund unterschiedlicher Methodik. Diabeteserkrankungen der Eltern traten bei beiden Studien etwa mit gleicher Prävalenz auf.

Die Einbeziehung der Familienanamnese für Diabetes verbesserte die Unterscheidung im Deutschen Diabetes-Risiko-Test um 0,006 (0,001–0,011) mit einem NRI von 0,100 (0,059–0,140). Die Fläche unter der Kurve in der ROC-Analyse erhöhte sich um 0,008 (0,003–0,014), und der NRI betrug 0,110 (0,072–0,149).

Kalibrierungskurven zeigten, dass Vorhersagen aus der EPIC-Studie sehr gut mit den in der MONICA/KORA-Studie beobachteten Risiken übereinstimmten, wobei insgesamt geringfügig zu hohe Risikovorhersagen beobachtet wurden.

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