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Langfristige Beziehungen zwischen dem Getränkekonsum und dem Körpergewicht bei deutschen Jugendlichen


Libuda L., Alexy U., Sichert-Hellert W., Stehle P., Karaolis-Danckert N., Buyken A.E., Kersting M.: Pattern of beverage consumption and longterm ssociation with body-weight status in German adolescents-results from the DONALD study. Br J Nutr. 2008; 99(6): S. 1370–1379.


 

Mit Hilfe der DONALD-Studie sollte die Frage geklärt werden, ob energiehaltige Getränke zur Entstehung von Übergewicht und Adipositas beitragen. Die Studienergebnisse zeigen keinen Zusammenhang zwischen dem Gewichtsstatus von Jugendlichen im Alter zwischen neun und 18 Jahren und dem Konsum von zuckergesüßten Erfrischungsgetränken. Eine signifikant positive Korrelation zwischen dem Anstieg des Körpergewichts (BMI-SDS) und dem Anstieg des Getränkekonsums konnte bei Mädchen festgestellt werden, allerdings nur, wenn der Konsum energiehaltiger Getränke insgesamt zugrunde gelegt wurde. Den Ergebnissen nach wirkte sich eher der Genuss von Fruchtsäften auf das Körpergewicht aus. Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass die durch Getränke aufgenommene Energie möglicherweise nicht vollständig durch eine geringere Zufuhr fester Nahrung kompensiert wird.

In Deutschland sind etwa 15 % der Kinder zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig und 6 % adipös. Da die Behandlung von Adipositas schwierig und ineffizient ist, wird der Schwerpunkt eher auf die Prävention dieser Erkrankung gelegt. Aus den USA wurde mehrfach berichtet, dass der Genuss zuckerhaltiger Getränke zu einem steigenden Körpergewicht beitragen kann. Die Voraussetzungen in Deutschland sind andere als in den USA, z. B. sind Softgetränke hierzulande in der Regel mit Saccharose gesüßt, während in den USA fruktosehaltiger Maissirup verwendet wird. Aus diesem Grund wurden im Rahmen der DONALD-Studie (Dortmund Nutritional and Longitudinally Designed Study) Beziehungen zwischen dem Getränkeverhalten und dem Körpergewicht bei deutschen Jugendlichen untersucht.

Seit 1985 werden für die beobachtende DONALD-Studie des Dortmunder Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) Informationen zu Ernährung, Entwicklung, Metabolismus und Gesundheitsstatus von Kindern und Jugendlichen gesammelt. Jedes Jahr werden 40 bis 50 Kinder neu in die Studie aufgenommen. Von den Probanden wurde ein Drei-Tages-Ernährungsprotokoll (gewogene oder semiquantitative Angaben) geführt, es wurden Körpergewicht und -größe für die Berechnung des BMI ermittelt sowie Körperfaltenmessungen zur Bestimmung des Körperfettgehaltes durchgeführt. Aus den Ernährungsprotokollen wurden Nährstoff- und Energieeinträge berechnet. Für die Analyse wurden vier Getränkegruppen definiert: Softgetränke (mit Zucker gesüßte Getränke wie Limonaden, Eistee, Fruchtsaftgetränke, Sport- oder Energy-Getränke), Diätgetränke (mit niedrigem Kaloriengehalt), Fruchtsäfte (100 % Fruchtsaftgehalt) und energiehaltige Getränke (Softgetränke und Fruchtsäfte zusammen betrachtet).

Da der Konsum von Softgetränken ab dem Alter von neun Jahren deutlich ansteigt, wurden von 1.170 Personen, die seit 1985 teilgenommen hatten, 309 näher betrachtet, die bei der letzten Auswertung 14 bis 18 Jahre alt waren. Bei 277 Teilnehmern lagen zumindest vier von sechs möglichen Ernährungsprotokollen der letzten fünf Jahre vor, so dass die Auswertung Kinder im Alter von neun bis 18 Jahren umfasste.

Für die statistische Analyse wurde der Energiegehalt, der von einer bestimmten Getränkegruppe stammte, zum BMI oder dem alters- und geschlechtsspezifischen „Standard Deviation Score“, BMI-SDS, in Beziehung gesetzt. Der BMI-SDS verdeutlicht, inwiefern der individuelle BMI vom durchschnittlichen alters- und geschlechtsabhängigen BMI abweicht.

Zwischen BMI oder BMI-SDS wurden keine geschlechtsspezifischen Unterschiede beobachtet. Mit dem Alter nahm der BMI bei Jungen und Mädchen zu, der BMI-SDS stieg nur bei Mädchen mit dem Alter an. Innerhalb der fünf Beobachtungsjahre hatten Softgetränke einen Anteil von 23,8 % des gesamten Getränkekonsums bei Jungen und 20,6 % bei Mädchen. Der Anteil von Fruchtsäften lag bei 14,9 % (Jungen) bzw. 16,4 % (Mädchen). Diätgetränke wurden nur in geringem Umfang konsumiert und bei der Analyse deshalb nicht weiter berücksichtigt. Insgesamt konsumierten Jungen mehr energiehaltige Getränke als Mädchen, allerdings war der relative Anteil dieser Getränke an der gesamten Energieaufnahme vergleichbar. Während der Studiendauer nahm bei Jungen der Konsum von energiehaltigen Getränken insgesamt zu, während Mädchen vermehrt Fruchtsäfte zu sich nahmen.

Bei Jungen waren weder zu Beginn noch im Verlauf der Studie Zusammenhänge zwischen dem Konsum von energiehaltigen Getränken und dem BMI-SDS oder dem Körperfettgehalt zu beobachten. Auch eine Veränderung des Trinkverhaltens wirkte sich nicht auf den BMI-SDS oder den Körperfettgehalt aus. Lediglich bei einem höheren Konsum von Fruchtsäften zu Beginn der Studie lag ein höherer BMI-SDS vor.

Auch bei den Mädchen zeigten sich keine Beziehungen zwischen dem Konsum von energiehaltigen Getränken zum Erhebungsbeginn und dem BMI-SDS oder dem Körperfettgehalt zu Beginn oder während der Studie. Die Veränderung der Trinkgewohnheiten zog bei vermehrtem Genuss energiehaltiger Getränke einen Anstieg des BMI-SDS von 0,07 SDS/MJ (p = 0,01) nach sich, jedoch nicht des Körperfettgehaltes. Dieser Anstieg war vor allem Fruchtsäften zuzuschreiben (BMI-SDS + 0,096 SDS/MJ, p = 0,01; für Softgetränke BMI-SDS + 0,055 SDS/MJ, p = 0,08). Fehlende negative Korrelationen zwischen der aufgenommenen Energie aus Getränken und fester Nahrung deuten an, dass die Energieaufnahme durch Getränke nicht vollständig durch eine geringere Kalorienzufuhr mit der festen Nahrung kompensiert wurde.

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