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Komplexe Interaktionen der Ursachen und Wirkungen von Übergewicht und Adipositas

Hummel E., Wittig F., Schneider K., Gebhardt N., Hoffmann I.: The complex interaction of causing and resulting factors of overweight/obesity.

Wirksame Präventionsmaßnahmen für Übergewicht und Adipositas müssen die Komplexität der Ursachen und Wirkungen sowie deren Interaktionen berücksichtigen. Die Entwicklung eines Modells mit visueller Darstellung der Wirkungsketten zeigt anschaulich, wie neben den beiden direkt wirkenden Ursachen „Energiebilanz“ und „biologische Faktoren“ zahlreiche weitere Faktoren an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind.

Zwischen März 2006 und Februar 2009 wurden anhand geeigneter Suchbegriffe Ergebnisse aus mehr als 460 wissenschaftlichen Literaturquellen extrahiert und in ein qualitatives Ursache-Wirkungsmodell überführt. Zum selben Themenkreis gehörende Faktoren wurden dabei ihrer Relevanz entsprechend teilweise gruppiert.

Es zeigte sich, dass eine Vielzahl von Faktoren an der Entstehung von Übergewicht und Adipositas beteiligt sind, auf direktem Weg bewirken dies jedoch nur die Energiebilanz und biologische Voraussetzungen (Gene, Alter, Geschlecht, Hormone u.a.). Alle anderen Ursachen wirken fast ausschließlich auf die Energiebilanz und somit indirekt auf die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas ein, z.B. können soziale Veränderungen ein neues Ernährungsverhalten oder die Umstellung der körperlichen Aktivität nach sich ziehen und so die Energiebilanz modifizieren.   Auch die Folgen von Übergewicht und Adipositas sind direkter und indirekter Natur. So entstehen beispielsweise direkte Kosten durch notwendige Anpassungen an die veränderten Körpermaße im Transportwesen und indirekte Kosten durch die Behandlung von Folgeerkrankungen.      Darüber hinaus wurden Wirkungsketten identifiziert, die in sich geschlossen sind und dadurch die Gefahr von Teufelskreisen in sich tragen. Beispielsweise können Übergewicht und Adipositas mentale Faktoren verändern (das Risiko für Depressionen erhöhen, ein schlechtes Körpergefühl oder geringes Selbstbewusstsein erzeugen), die sich negativ auf das Ernährungsverhalten und die physische Aktivität auswirken, so dass die Energiebilanz noch stärker gestört wird. Weiter zeigten sich multikausale Zusammenhänge, mentale Faktoren werden z.B. durch zahlreiche weitere Parameter beeinflusst.

Die überwiegende Mehrzahl von Präventionsmaßnahmen hat die Veränderung der Energiebilanz durch Bewegungs- oder Ernährungsprogramme zum Ziel. Um durchgreifende Erfolge erzielen zu können, sollten jedoch auch die indirekten Ursachen, Wirkungsketten und -kreise mit berücksichtigt werden. Das qualitative Modell berücksichtigt die Komplexität der Entstehung von Übergewicht/Adipositas und bietet somit eine gute Basis für die Entwicklung von geeigneten Präventionsmaßnahmen.

 

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