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Karies auf den Zahn fühlen!

Warum sich Karies nur durch konsequente Vorsorge bekämpfen lässt. Regelmäßiges Zähneputzen – und zwar mit fluoridierter Zahnpasta – ist das A und O bei der Kariesprävention. Die Deutschen haben das verstanden, ihre Zähne waren nie gesünder als heute. Dank konsequenter Zahnpflege nehmen die Deutschen in Sachen Zahngesundheit im OECD-Vergleich˟ einen Spitzen­platz ein.

Deutschlands Kinder haben die gesündesten Zähne

Kinder und Jugendliche haben so gute Zähne wie nie zuvor – und auch bei den Erwach­senen ist erstmals ein Kariesrückgang zu verzeichnen. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Mundgesundheitsstudie IV des Instituts der Deutschen Zahn­ärzte (DMS IV)1 Die Zwölfjährigen hatten laut Studie einen durchschnittlichen DMFT-Wert * von 0,7.

Der DMFT-Wert gibt die Zahl der kariösen, gefüllten oder fehlenden Zähne an. Die Vergleichszahlen machen deutlich, wie positiv dieses Ergebnis zu werten ist: Seit 1997 ist die Zahl kariöser, gefüllter oder fehlender Zähne in dieser Altersgruppe um 60 Prozent zurückgegangen, seit 1980 sogar um 89 Prozent. Im OECD-Vergleich belegt Deutschland damit in dieser Altersgruppe den ersten Platz.2 Auch für die Erwach­senen zeigt ein Vergleich der DMS IV mit den Ergebnissen von 1997 einen deutlichen Kariesrückgang.

Die DMS IV hat zudem ergeben, dass 70 Prozent der Kinder und 46 Prozent der Jugendli­chen ein Gebiss ganz ohne Karieserfahrung haben – Tendenz steigend. Eine aktuelle Untersuchung bei 6- bis 7-jährigen Schulanfängern in Rheinland-Pfalz zeigt ebenfalls einen rückläufigen Trend bei der Karieshäufigkeit sowie eine stei­gende Zahl von Kindern ohne Karieserfahrung.3

Die Gründe: Die Deutschen haben ihre Zahn- und Mundhygiene deutlich verbessert.4 Dazu beigetragen haben die verstärkte Aufklärung über eine gute Mundhygiene und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt. Auch die Versiegelung der Kauflä­chen von Backenzähnen (Fissurenversiegelung) bei Kindern und Jugendlichen spielt eine große Rolle.

Wie entsteht Karies eigentlich?

Für die Entstehung von Karies müssen verschiedene Faktoren zusammenkommen. Neben der Zahnbeschaffenheit und der genetischen Veranlagung spielen Bakterien, die Mundhygiene, der Verzehr so genannter „fermentierbarer“ Kohlenhydrate, verblei­bende Speisereste und der Faktor Zeit eine besondere Rolle. Als fermentier­bar werden Kohlenhydrate bezeichnet, die von Bakterien im Mund verstoff­wechselt werden können. Die Bakterien bauen diese Kohlenhydrate ab und produzieren Säu­ren. Diese Säuren greifen den Zahnschmelz an und entziehen ihm Mineralien, so­dass er porös wird und Karies entstehen kann. Je länger die Säuren auf den Zahn­schmelz einwirken können, desto größer ist die Kariesgefahr.

Die Liste der Lebensmittel, die fermentierbare Kohlenhydrate enthalten und damit Karies begünstigen können, ist lang. Sie umfasst auch Grundnahrungsmittel wie Brot, Reis, Nudeln oder Kartoffeln sowie Milchprodukte, Obst, Säfte, Zucker und vieles mehr. Die Herkunft der Kohlenhydrate ist dabei unerheblich. Bei Zucker ist eine Unterscheidung von „natürlich vorhandenen“ oder „zugesetzten“ Zuckerarten wissen­schaftlich nicht begründbar.5,6,7,8,9

Häufigkeit entscheidender als Menge

Wie viel wir essen, hat wenig Einfluss auf unsere Zahngesundheit. Das hat das EURO­DIET-Projekt10 bestätigt, das von der Universität Kreta durchgeführt und von der Europäischen Kommission mitfinanziert wurde. Die Experten des EURODIET-Projektes haben zur Erarbeitung europäischer Ernährungsrichtlinien keine Verzehrsober­grenze für Zucker festgelegt, sondern betonen die Bedeutung der Verzehrs­häufig­keit für die Kariesprävention.

Je häufiger Säuren den Zahnschmelz angreifen und je länger diese auf den Zahn einwirken, desto eher entsteht Karies. Entscheidend für die Kariesvorbeugung ist daher weniger wie viel und was, sondern vielmehr wie häufig man isst und ob da­nach die Zähne geputzt werden.11,12,13

Richtige Mundhygiene – mit fluoridhaltiger Zahnpasta

Gründliches und regelmäßiges Zähneputzen entfernt sowohl die bakteriellen Zahn-be­läge als auch die an und zwischen den Zähnen haftenden Nahrungsreste. So kön­nen Säuren, die den Zahnschmelz angreifen, erst gar nicht entstehen. Am wirkungs­vollsten kann man Karies mit fluoridhaltiger Zahnpasta verhindern. Fluoride hemmen die Auflösung der Mineralien im Zahnschmelz. Sie unterstützen die Reminerali­sie­rung, indem sie helfen, Calcium und Phosphat aus dem Speichel schnel­ler in den Zahnschmelz einzubauen, und tragen dadurch dazu bei, dass der Zahnschmelz wie­der fest wird.

Zusätzlich sollte man täglich Zahnseide benutzen, um auch die Zahnzwischenräume von Speiseresten zu befreien. Regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen und ggf. eine professionelle Zahnreinigung komplettieren die wirksame Kariesprävention. Und schließlich sollten Eltern ihren Kindern vorleben, dass Mundhygiene fester Bestand­teil des Alltags ist, sodass diese das Putzritual von klein auf erlernen und verinnerli­chen können.

Karies die Zähne zeigen

Kerngesunde Zähne und Genuss ohne Verzicht – ja, das funktioniert. Die Daten zur Zahngesundheit belegen, dass Karies in Deutschland insbesondere unter Kindern und Jugendlichen stark rückläufig ist. Wer durch konsequente Vorsorge Karies „die Zähne zeigt“, regelmäßig Zähne putzt und dabei fluoridhaltige Zahnpasta verwendet, kann guten Gewissens alles essen, was Kohlenhydrate enthält: Vom Brot über Nudeln, Kartoffeln und Milch bis hin zu Zucker.

 

˟ OECD: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

* DMFT steht für  zerstörte (decayed), fehlende (missing), gefüllte (filled) Zähne (teeth).  Ein Wert von 1  bedeutet, dass von 28 bleibenden Zähnen – Weisheitszähne werden nicht berücksichtigt – ein Zahn entweder kariös, gefüllt oder fehlend ist.

Quellen

[1] Michaelis W., Schiffer U.: Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV). Hrsg.: Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ). IDZ-Materialienreihe Band 31. Deutscher Ärzteverlag, Köln 2006. Der Studie gingen Berichte aus den Jahren 1989, 1992 und 1997 voraus.

[2] OECD Health Data 2009; http://www.oecd-ilibrary.org/sites/health_glance-2009-en/01/10/g1-10-01.html?itemId=/content/chapter/health_glance-2009-12-en&_csp_=73419db2d8639c2c6d43934472010be1; Stand: 15.09.2015.

[3] Weusmann J., Mahmoodi B., Azaripour A., Kordsmeyer K., Walter C., Willershausen B.: Epidemiological investigation of caries prevalence in first grade school children in Rhineland-Palatinate, Germany 2015. In: Head and Face Medicine, DOI 10.1186/s13005-015-0091-8: http://www.head-face-med.com/content/11/1/33, Stand: 08.10.2015.

[4] Robert Koch-Institut: Mundgesundheit. Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2009; Heft 47, S. 14-16.

[5] Van Loveren C.: Ernährung und Zahnkaries. Oralprophylaxe & Kinderzahnheilkunde 2006; 28(2), S. 76-81.

[6] Wiedemann W.: Kohlenhydrate, Karies und die Erkrankungen des Zahnhalteapparates. In: Kluthe R., Kasper H. (Hrsg): Kohlenhydrate in der Ernährungsmedizin unter besonderer Berücksichtigung des Zuckers. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1996; S. 54-59.

[7] König K.G., Navia J.M.: Nutritional role of sugars in oral health. Am J Clin Nutr. 1995; 62(1), S. 275-283.

[8] Issa A.I., Toumba K.J., Preston A.J., Duggal M.S.: Comparison of the effects of whole and juiced fruits and vegetables on enamel demineralisation in situ. Caries Res. 2011; 45(5), S. 448-452.

[9] Staufenbiel I., Adam K., Deac A., Geurtsen W., Günay H.: Influence of fruit consumption and fluoride application on the prevalence of caries and erosion in vegetarians – a controlled clinical trial. Eur J Clin Nutr. 2015; doi:10.1038/ejcn.2015.20.

[10] Eurodiet Reports and Proceedings. Public Health Nutr. 2001; 4, 2(A) und 2(B).

[11] Wiedemann W., a. a. O, S. 54-59.

[12] König K.G., Navia J.M., a. a. O. , S. 275-283.

[13] Anderson C.A., Curzon M.E.J., van Loveren C., Tatsi C., Duggal M.S.: Sucrose and dental caries: a review of the evidence. Obes Rev. 2009; 10(1), S. 41-45.

 

Download Flyer: Zucker und Zahngesundheit
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