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Evidenz-basierte Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus


Mann J., De Leeuw I., Hermansen K., Riccardi G., Rivellese A., Rizkalla A., Slama G., Toeller M., Uusitupa M., Vessby B.: Evidence-based nutritional approaches to the treatment and prevention of diabetes mellitus. Diabetes and Nutrition Study Group (DNSG) of the European Association. Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2004; 14, S. 373–394.


Die Überprüfung wissenschaftlicher Daten hat zu aktualisierten Ernährungsempfehlungen für Diabetiker sowie für die Prävention eines Typ-2-Diabetes geführt. In der Übersichtsarbeit werden detaillierte Angaben für eine geeignete Zusammensetzung der Nahrung bereitgestellt.

Die Studiengruppe für Diabetes und Ernährung (DNSG) der europäischen Assoziation für Diabetesstudien (EADS) hat Empfehlungen für die Ernährungstherapie des Diabetes mellitus aktualisiert. Die Empfehlungen basieren auf einer systematischen Literaturanalyse nach abgestimmten Suchbegriffen in relevanten Datenbanken. Den ausgesprochenen Empfehlungen wird nach Klassifizierung der Qualität der zugrunde liegenden klinischen Studien ein Evidenzhärtegrad zugeordnet. Die Bedeutung körperlicher Aktivität findet Erwähnung, wird jedoch nicht detailliert abgehandelt. Ebenso werden keine Empfehlungen für Diabetiker in speziellen Situationen (z. B. Schwangerschaft oder schwerer Erkrankung) ausgesprochen.

Hinsichtlich der Energiebilanz und des Körpergewichts wurde die Empfehlung ausgesprochen, dass übergewichtige Personen die Energieaufnahme reduzieren und den Verbrauch steigern sollten, so dass der BMI auf den empfohlenen Bereich von 18,5 bis 24,9 kg/m² sinkt. Erneute Gewichtszunahmen sind zu vermeiden.

Patienten ohne Anzeichen einer Nephropathie können 10 bis 20 % der Gesamtenergie in Form von Proteinen aufnehmen, bei einer manifesten Nephropathie sollte die Proteinaufnahme im unteren akzeptablen Bereich liegen (0,8 g/kg Körpergewicht/Tag).

Gesättigte und trans-ungesättigte Fettsäuren sollten maximal 10 % der Gesamttagesenergie liefern. Günstige Fettlieferanten sind Öle, die reich an ungesättigten Fettsäuren sind. Die Gesamtfettaufnahme sollte 35 % der täglichen Gesamtenergie nicht überschreiten. Die Ernährung sollte maximal 300 mg Cholesterin pro Tag enthalten.

Die Kohlenhydrataufnahme kann zwischen 45 und 60 % der Gesamtenergie liegen. Für eine Ernährung im oberen Bereich sollten ballaststoffreiche Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index vorgezogen werden. Der glykämische Index wird als Blutglukosefläche unter der Kurve definiert, die dem Anstieg nach der Aufnahme von 25 bis 50 g verfügbaren Kohlenhydraten folgt. Art und Menge der Kohlenhydrate beeinflussen die glykämische Antwort, wobei es eine beträchtliche Variabilität innerhalb und zwischen den Probanden gibt. Bei Typ-2-Diabetes ist eine große Bandbreite der Kohlenhydrataufnahme mit einer vergleichbaren glykämischen Kontrolle vereinbar. Es wird Diabetikern eine moderate Aufnahme freier Zuckerarten von bis zu 50 g pro Tag und maximal 10 % der Gesamtenergie empfohlen. Jedoch ist die Festlegung einer Verzehrsobergrenze für freie Zuckerarten in gewisser Weise willkürlich. Die Aufnahme von Ballaststoffen sollte optimalerweise mehr als 40 g pro Tag betragen. Dies kann durch Gemüse, Früchte, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte gesichert werden. Eine ballaststoffreiche Kost senkt den mittleren täglichen Blutglukosespiegel um 10 bis 15 % und vermindert die Anzahl hypoglykämischer Ereignisse.

Nahrungsmittel, die reich an Antioxidanzien, Spurenelementen und Vitaminen sind, werden empfohlen. Für Nahrungssupplemente und funktionelle Nahrungsmittel wird dagegen keine Empfehlung ausgesprochen. Die Aufnahme von Kochsalz sollte auf 6 g pro Tag begrenzt werden, bei erhöhtem Blutdruck noch stärker. Ein moderater Alkoholkonsum (Frauen 10 g/Tag, Männer 20 g/Tag) ist akzeptabel, allerdings sollten unter Insulintherapie gleichzeitig Kohlenhydrate verzehrt werden, um das Risiko einer Hypoglykämie zu mindern.

Hinsichtlich der Prävention des Diabetes Typ 2 wird die Zusammensetzung der Makronährstoffe wie folgt zusammengefasst: Gesamtfettzufuhr weniger als 30 %, gesättigte Fettsäuren weniger als 10 % der täglichen Energie und Ballaststoffe größer als 15 g pro 1000 kcal.

Durch regelmäßige körperliche Aktivität und die Vermeidung von Übergewicht kann einem Typ-2-Diabetes vorgebeugt werden. Bei bestehendem Übergewicht ist dies durch eine Gewichtsreduktion mit anschließender Gewichtskonstanz und Lebensstilmodifikation ebenfalls möglich.

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