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Ernährungsmuster deutscher Jugendlicher – Assoziationen mit der Zufuhr von Nährstoffen und dem Lebensstil


Richter A., Heidemann C., Schulze M.B., Roosen J., Thiele S., Mensink G.B.M.: Dietary patterns of adolescents in Germany – Associations with nutrient intake and other health related lifestyle characteristics. BMC Pediatrics. 2012; 12(35).


Durch die Analyse von Ernährungsgewohnheiten deutscher Jugendlicher konnten je nach Geschlecht verschiedene Ernährungsmuster identifiziert werden. Diese unterschieden sich in ihrer Nährstoffzufuhr und Energiedichte. Ein Zusammenhang zwischen dem Ernährungstyp und Übergewicht konnte hingegen nicht festgestellt werden. Ältere Jungen mit einem geringen sozioökonomischen Status zeigten vermehrt ungünstige Ernährungsmuster.

Während der Adoleszenz werden häufig Ernährungsgewohnheiten ausgebildet, die auch im Erwachsenenalter fortbestehen. Sie beeinflussen somit nicht nur die physikalische Entwicklung während des Körperwachstums, sondern haben auch Auswirkungen auf die spätere Gesundheit. Die hohe Prävalenz von Adipositas und anderen Erkrankungen, die mit der Ernährung im Zusammenhang stehen, lässt es notwendig erscheinen, bereits während der Kindheit und im Jugendalter durch Aufklärungsarbeit auf eine ausgewogene Ernährung hinzuarbeiten. Anstatt Empfehlungen zur Zufuhr bestimmter Nährstoffe zu geben, könnte es für die Verbraucher leichter verständlich und umsetzbar sein, wenn ihnen die Vorteile bestimmter gängiger Ernährungsmuster nahe gebracht werden. Vor diesem Hintergrund sollten übliche Ernährungsmuster von Jugendlichen identifiziert und Zusammenhänge mit der Zufuhr von Energie und Nährstoffen sowie mit sozioökonomischen Faktoren, dem Lebensstil und Übergewicht analysiert werden.

Die vom Robert Koch-Institut initiierte Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) ist eine populationsbasierte, national repräsentative Querschnittsstudie. In einem zweistufigen Verfahren wurden zwischen Mai 2003 und Mai 2006 insgesamt 17.641 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren rekrutiert. Für die Ernährungsanalyse wurde eine Untergruppe von 1.272 Kindern zwischen 12 und 17 Jahren (622 Jungen und 650 Mädchen) ausgewählt. Im Rahmen einer persönlichen Befragung durch geschulte Ernährungswissenschaftler wurden die innerhalb von vier Wochen aufgenommenen Nahrungsmittel und Getränke mit Hilfe eines Computerprogramms zur Untersuchung von Essgewohnheiten analysiert. Dabei wurden typische Mahlzeiten und Nahrungsmittelgruppen herausgefiltert. Außerdem wurden weitere Elemente der Lebensführung wie die Einnahme von Vitaminen oder Mineralstoffen, die Anzahl der zu Hause mit der Familie eingenommenen Mahlzeiten, die Fähigkeit, Mahlzeiten zuzubereiten, Aktivitäten während der Freizeit, Angaben zum sozioökonomischen Status und der BMI erfragt.

Aus 2.280 verschiedenen Nahrungsmitteln und Getränken wurden 48 Nahrungsmittelgruppen gebildet. Daraus wurden nach Geschlechtern getrennt gängige Ernährungsmuster mit Hilfe der Hauptkomponentenanalyse identifiziert. Bei den Jungen gab es drei Ernährungsmuster, die zu 18,1 % der Varianz beitrugen, bei den Mädchen waren es zwei mit 13,2 % Anteil an der Varianz.

Die Jungen zeigten häufig eine „westliche“ Ernährungsweise, bei der vermehrt Fertiggerichte zum Mitnehmen (Pizza, Döner Kebab, Burger, Pommes frites), Ketchup, Huhn oder anderes Fleisch, Nudeln, alkoholische Getränke und Limonaden, Salzgebäck und Süßwaren konsumiert wurden. Die Energiedichte, der Gehalt an ungesättigten Fettsäuren und Alkohol waren bei dieser Ernährung erhöht, während der Gehalt einiger Mikronährstoffe verringert war, unter ihnen vor allem Beta-Karotin, Vitamin D, Biotin, Calcium und Ballaststoffe. Jungen mit diesen Essgewohnheiten waren älter, weniger körperlich aktiv, hatten eine geringere Schulbildung und ihre Familie hatte einen geringeren sozioökonomischen Status.

Des Weiteren gab es eine „gesunde“ Ernährungsweise mit vielen Früchten, Gemüse, Hülsenfrüchten, Pilzen, Huhn, Reis, pflanzlichen Ölen, Suppe und Getreideprodukten. Sie war mit einer geringeren Energiedichte und weniger Alkoholkonsum assoziiert, außerdem war der Gehalt an Proteinen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Mikronährstoffen (außer Vitamin B2, B12 und Calcium) erhöht. Jungen mit entsprechenden Essgewohnheiten lebten häufiger in größeren Städten, waren körperlich aktiver, hatten eine höhere Schulbildung, lebten in Familien mit höherem sozioökonomischen Status und nahmen regelmäßiger Mahlzeiten zusammen mit der Familie ein.

Das dritte häufig angetroffene Ernährungsmuster wurde als „traditionell“ bezeichnet und enthielt vermehrt Fleisch, Kartoffeln, Weißbrot, Margarine, Eier, Käse und Fisch. Es ging mit einer hohen Energiedichte, einem höheren Verzehr von Fett, Alkohol, Vitamin B12 und Vitamin D sowie einer verminderten Aufnahme von Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Magnesium und Eisen einher.

Bei den Mädchen ähnelte das „gesunde“ Ernährungsmuster dem der Jungen. Es war außerdem mit dem Verzehr von vegetarischen Gerichten, Eiern, Fisch, Saucen und Wasser korreliert. Das zweite Ernährungsmuster der Mädchen wurde als „westlich und traditionell“ bezeichnet. Hier wurden vermehrt Kartoffeln, Saucen, Fleisch, Weißbrot, Pizza, Pommes frites, Würstchen, Süßwaren, Kuchen und Limonaden verzehrt, der Konsum von Wasser war verringert. Mädchen mit diesen Ernährungsgewohnheiten waren jünger, hatten häufig eine geringere Schulbildung, lebten in Familien mit geringerem sozioökonomischem Status und verbrachten mehr Zeit vor dem Fernseher.

Keine der Ernährungsweisen war mit Übergewicht korreliert. Während die meisten Mädchen dem „gesunden“ Ernährungsmuster folgten, wurde das „westliche“ Ernährungsverhalten bei den Jungen besonders häufig angetroffen. Hier war ein Zusammenhang mit einem niedrigen sozioökonomischen Status zu beobachten.

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