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Epidemiologische Untersuchung der Kariesprävalenz bei Erstklässlern in Rheinland-Pfalz

Weusmann, B. Mahmoodi, A. Azaripour, K. Kordsmeyer, C. Walter, B. Willershausen: Epidemiological investigation of caries prevalence in first grade school children in Rhineland-Palatinate, Germany.

Dentalkaries ist eine der am häufigsten bei Kindern vorkommenden chronischen Erkrankungen, weshalb von der Weltgesundheitsorganisation 1981 das Ziel formuliert wurde, dass bis zum Jahr 2000 die Hälfte aller Kinder kariesfrei sein sollten. Nach Erreichen dieser Vorgabe wird nun in Deutschland bis 2020 eine Kariesfreiheit bei 80% der Sechsjährigen angestrebt.

Deutschen Bestimmungen entsprechend werden in Rheinland-Pfalz alle Erstklässler einer zahnmedizinischen Schuluntersuchung unterzogen, bei der ein Kariesindex (d3mft für das Michzahngebiss / D3MFT für die bleibenden Zähne) bestimmt wird. Dabei wird die Anzahl der zerstörten (decayed, d3/D3), fehlenden (missing, m/M) und gefüllten Zähne (filled teeth, ft/FT) ermittelt. Der signifikante Kariesindex SiC beschreibt die Karieslast von Personen mit hohem Risiko, er entspricht dem mittleren Kariesindex des Drittels der am stärksten betroffenen Kinder aus der Stichprobe.

An 844 Grundschulen in Rheinland-Pfalz untersuchten 541 Schulzahnärzte zwischen September 2013 und Juni 2014 insgesamt 30.376 Kinder. Jedes untersuchte Kind wurde einer der drei Kategorien „gesund“ (d3mft, D3MFT = 0), „erfolgreich behandelt ohne Bedarf der Weiterbehandlung“ (F/f > 0 und d3m/D3M=0) oder „behandlungsbedürftig“ (d3/D3 > 0) zugeordnet. Ein hohes Kariesrisiko wurde bei einem Kariesindex größer als 5 (d3mft / D3mFT > 5) und/oder kariösen Kavitäten in bleibenden Zähnen (D3 > 0) diagnostiziert.

Von 25.020 Erstklässlern lagen auswertbare Daten vor. 50,9% der Kinder waren männlich. Weibliche Kinder wurden zu 63,5% und männliche zu 59,2% der Kategorie „gesund“ zugeordnet. 25,9% der Kinder wiesen eine unbehandelte Karieserkrankung auf. Für 7,7% dieser behandlungsbedürftigen Kinder (8,2% Jungen, 6,7% Mädchen, zusammen 1,9% der Gesamtpopulation) wurde ein hohes Kariesrisiko festgestellt. Bei den Mädchen war die Mundgesundheit signifikant besser als bei den Jungen: Sie waren zu 63,5% kariesfrei, die Jungen dagegen nur zu 60,8% (p < 0,001). Gleichzeitig wiesen mit 1,2% doppelt so viele Jungen wie Mädchen einen d3mft von zehn oder mehr auf. Sowohl der durchschnittliche d3mft (Jungen: 1,38 ± 2,37, Mädchen: 1,15 ± 2,12, p < 0,001) als auch der signifikante Kariesindex (SiC Jungen: 3,97 ± 2,58, Mädchen: 3,41 ± 2,4, p = 0,004) war bei den Jungen höher als bei den Mädchen. Der Wertebereich des Kariesindex im Milchzahngebiss lag zwischen 0 und 20, beim bleibenden Gebiss zwischen 0 und 6. Die Milchmolaren waren überproportional häufig betroffen, so dass die Autoren eine besondere Berücksichtigung ihrer Pflege bei Präventionsmaßnahmen empfehlen.

Im Vergleich zu Untersuchungen aus dem Jahr 2009 zeigte sich ein sinkender Trend der Kariesprävalenz: 2009 waren 55,5% der Kinder kariesfrei, heute sind es knapp 61%. Der SiC sank von 4,96 in 2009 auf 3,73 in dieser Untersuchung, was einer Verringerung um 24,8% entspricht.

 

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