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Report einer Zuckerrübe

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Anfang März

Das Rübenjahr beginnt Anfang März mit der Vorbereitung der Böden. Auf vielen Zuckerrübenfeldern wurde im vorangegangenen Spätsommer Gelbsenf oder Ölrettich als Zwischenfrucht ausgesät.
Eine Zwischenfrucht lockert den Boden mit ihren Wurzeln, bindet Nährstoffe in ihrer Pflanzenmasse und hilft Nematoden – im Boden lebende kleine Fadenwürmer, die die Wurzeln befallen, zu bekämpfen. Damit die Zuckerrüben einen optimalen Start haben, wird der Boden vor der Aussaat der Zuckerrübensamen an der Oberfläche gelockert.  

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Ende März

Die Zuckerrüben werden – je nach Witterung und Bodenfeuchte – zwischen Mitte März und Mitte April gesät. Ungefähr 100.000 Samen bringt der Landwirt mit einer Sämaschine in die Erde. Das erfolgt in Reihen, die 45 Zentimeter Abstand zueinander haben. In einer Reihe wird etwa alle 20 Zentimeter ein Rübensamen abgelegt.

Diese exakte Saat ist möglich, weil der von Natur aus unregelmäßig geformte Rübensamen mit einer runden, glatten Hülle ummantelt ist.

In dieser Hüllschicht befinden sich meistens Wirkstoffe, die die jungen Pflanzen vor Pilzkrankheiten und Schädlingen schützen. Die Rübensamen werden flach mit Erde bedeckt. Wenn sie keimen, bildet sich zunächst eine kleine Wurzel, die sich ihren Weg durch die Samenhülle bahnt. Anschließend wächst ein Spross durch den Boden hindurch ans Tageslicht.

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April

Das sind kleine Zuckerrübenpflanzen, aus denen später Zucker gewonnen wird. Auf einem Hektar Fläche – das ist etwa so groß wie ein Fußballfeld – stehen 100.000 Pflanzen.

Im Winter ist die Zwischenfrucht erfroren und die Pflanzenreste bilden nun ein gefundenes Fressen für die vielen Regenwürmer, die auf dem Acker leben.

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Mai

Wärme und Feuchtigkeit sind jetzt die besten Voraussetzungen für das Wachstum der Wurzel, aus der sich später der dicke Zuckerrübenkörper bildet, und des Sprosses, der die Erdoberfläche im April durchstoßen hat. Zwischenzeitlich haben sich neben den Keimblättern zwei größere Laubblätter ausgebildet.

Die Regenwürmer ziehen jetzt die Rückstände des Gelbsenfs in die Erde, um sie zu fressen. So wird aus Pflanzenrückständen schließlich wieder Erde.

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Anfang Juni

Feuchtes und warmes Wetter ist ideal für das Wachstum der Rüben. Doch leider sprießen auch die Unkräuter schnell. Diese konkurrieren mit der Zuckerrübe um Licht, Wasser und Nährstoffe, können die Ernte sehr erschweren und den Ertrag deutlich vermindern. Anfangs entwickeln sich die Rüben langsam und sind den Unkräutern gegenüber im Nachteil.

Um die unerwünschten Pflanzen zu bekämpfen, setzt der Landwirt chemische Mittel, sogenannte Herbizide, in möglichst geringen Mengen ein. Am wirksamsten sind sie, wenn die Unkräuter noch ganz klein sind. Große Unkräuter, wie auf dem Bild rechts, lassen sich nur noch durch Hacken bekämpfen.

 

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Mitte Juni       

Ideal für das Blattwachstum sind jetzt Tagesdurchschnittstemperaturen von 18 Grad; dann können bis zu drei neue Blätter pro Woche wachsen. Noch höhere Temperaturen beschleunigen das Wachstum dann nicht weiter – sie wirken sogar negativ. Optimale Temperaturen führen zu einer kontinuierlichen Zunahme in der Blattmasse. Außerdem sind die neuen Blätter größer und haben eine andere Form als die ersten Blätter im Mai.

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Ende Juni

Ende Juni findet in der Regel der so genannte Reihenschluss auf dem Feld statt. Davon ist die Rede, wenn sich die Blätter der benachbarten Reihen berühren. Ein lückenloses Blätterdach ist Voraussetzung dafür, dass möglichst viel Sonnenlicht für das Rübenwachstum genutzt werden kann. Damit das gelingt, wird ein Blattflächenindex von 3,5 und 4 angestrebt. Das heißt: Jeder Quadratmeter Boden ist in mehreren Etagen von 3,5 bis 4 Quadratmeter Blattfläche bedeckt.

Durch die Blattetagen gelangt Streulicht in den Bestand, so dass auch in den unteren Bereichen keine völlige Dunkelheit herrscht. Das Streulicht nutzen die unteren Blätter für die Fotosynthese.

 

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Anfang Juli

Bislang zeigte sich das Wachstum der Rübenpflanze vor allem an den Blättern. Aber auch im Boden ist bereits viel geschehen.

Während die Blätter die Bodenoberfläche bedecken, wachsen die Wurzeln der Zuckerrübenpflanzen in die Tiefe. Aus dem oberen Teil der Hauptwurzel entwickelt sich durch Dickenwachstum ein Rübenkörper. 

In dieser Rübe wird der Zucker gespeichert, den die Blätter bilden. Dagegen versorgen die Feinwurzeln die Rübenpflanze weiterhin mit Wasser und Nährstoffen.

 

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Mitte Juli

Im Sommer wachsen auf den Rübenfeldern manchmal sogenannte Schosser in die Höhe. Das sind Rüben, die vorzeitig Blütenstände ausbilden.

Normalerweise blühen Rübenpflanzen erst im zweiten Wachstumsjahr und bilden Samen.

Rüben können zu Schossern werden, wenn sie während ihrer Jugendentwicklung einem Kältereiz ausgesetzt werden – etwa durch niedrige Temperaturen für mehrere Tage nach der Aussaat. 

Solche Schosser sind auf den Rübenäckern unerwünscht und müssen von Hand mit Hacken entfernt werden. Bleiben die Schosser stehen, entwickeln sich in den Folgejahren sogenannte Unkrautrüben aus den Samen.

Ein Schosser kann mehr als 1.000 Samen bilden, die etwa zehn Jahre keimfähig im Boden bleiben.

 

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Ende Juli

Hohe Temperaturen machen im Sommer auch den Zuckerrüben zu schaffen: Über die Blätter verdunstet so viel Wasser, dass die tief in die Erde reichenden Feinwurzeln der Zuckerrüben es an heißen Tagen nicht schaffen, genügend Wasser aus dem Boden aufzunehmen und für die Blätter zur Verfügung zu stellen. Die Folge: Die Pflanzen bekommen schlappe Blätter. Man sagt dazu: „Die Rüben schlafen.“ 

In unseren Breiten werden die Zuckerrüben in der Regel nicht irreversibel geschädigt, das geschieht erst bei noch höheren Temperaturen. Wenn es abends kühler wird, erholen sich die Zuckerrübenpflanzen und gleichen den Wassermangel wieder aus – in der Nacht richten sie ihre Blätter wieder auf.

 

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Anfang August

Mit Zuckerrüben bestellte Felder bereichern nicht nur die Landschaft, sondern sind auch ein wertvoller Lebensraum für die Tierwelt: So fühlen sich Kaninchen und Hasen in den Rübenreihen wohl, ihnen schmeckt das leckere Rübenblatt. Auch für Insekten ist das Rübenfeld attraktiv. Etliche Käferarten leben auf und an Rübenblättern. Auch Spinnen weben inmitten des Blattwerkes ihre Netze.

Der aufmerksame Betrachter findet freilich noch viele andere Besucher in allen Größen in einem Rübenfeld…

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Mitte August

Während die meisten Getreidefelder bereits geernet sind, leuchten die Zuckerrübenfelder grün in der Landschaft. Die grüne Farbe der Blätter entsteht durch Chlorophyll. Dieses fängt das Licht ein und wandelt die Sonnenenergie in eine Form um, die genutzt wird, um in der Fotosynthese aus Kohlendioxid und Wasser den Zucker Saccharose herzustellen. 

Den energiereichen Zucker braucht die Pflanze, damit sie wachsen kann. Um auf schlechte Zeiten vorbereitet zu sein, legt die Zuckerrübe einen „Zuckervorrat“ im Rübenkörper an. Der August ist im Rübenfeld eine Zeit mit konstant hohen Wachstumsraten. Die Rüben enthalten bereits 15 Prozent Zucker und unter günstigen Bedingungen bilden acht bis neun Zuckerrüben pro Quadratmeter täglich 100 Gramm frische Rübenmasse.

 

 

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Anfang September

Im Laufe der Vegetationsperiode kann das Wachstum der Rübenpflanzen nicht durch Unkräuter, sondern auch durch Krankheiten und Schädlinge beeinträchtigt werden.

Besonders im Sommer bei feucht-warmer Witterung besiedeln gerne Pilze die Blätter der Rüben. An den Symptomen lassen sich verschiedene Krankheiten unterscheiden. Unser Bild zeigt die Cercospora-Blattfleckenkrankheit. Der Pilzbefall verringert die Fotosynthese-Leistung der Blätter und somit die Zuckerspeicherung im Rübenkörper. 

Wie stark sich ein Krankheitsbefall auf den Ertrag auswirkt, hängt von der Witterung, der Widerstandsfähigkeit der Rübenpflanze, vom Zeitpunkt des Auftretens und der Befallstärke ab. Landwirte kontrollieren die Felder regelmäßig auf Krankheiten, ein geringer Befall kann toleriert werden. Droht hingegen ein starker Befall und damit verbunden ein hoher Ertragsverlust, ist eine starke Pflanzenschutzbehandlung nötig.

 

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Anfang Oktober

Das Rübenjahr neigt sich dem Ende zu. Zur Erntezeit wiegt eine einzelne Zuckerrübe zwischen 700 und 1.300 Gramm und besteht überwiegend aus Wasser sowie bis zu 20 Prozent aus Zucker.

Aus einem Ertrag von insgesamt 70 Tonnen Zuckerrüben pro Hektar können mehr als zehn Tonnen Zucker gewonnen werden. Diese Menge entspricht rein rechnerisch dem Jahresverbrauch von 300 Menschen, wie er sich aus der Agrarstatistik ergibt. Die Einsatzzwecke sind allerdings vielfälig. 

So findet ein großer Teil in der chemischen Industrie oder bei der Herstellung von Bioethanol Verwendung. Während ihres Wachstums verbrauchen die Zuckerrüben 18,5 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar und produzieren auf der Fläche eines Fußballfeldes rund 15 Millionen Liter Sauerstoff – so viel, wie 60 Menschen während eines Jahres einatmen.

Für die Herstellung von einem Kilogramm Zucker werden ungefähr sieben Kilogramm Rüben benötigt, die auf etwa einem Quadratmeter wachsen. Verbesserungen in den Anbauverfahren und den Sorten tragen dazu bei, dass heute pro Hektar eine Tonne Zucker mehr geernet werden kann als zu Beginn des Jahrtausends.

 

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Ende Oktober

Wenn sich die Blätter an den Bäumen verfärben und die Tage kürzer werden, ist die Zeit der Zuckerrübenernte gekommen. Ab Mitte September – nach etwa 180 Tagen Wachstumszeit – ernten Zuckerrübenroder jeweils sechs Rübenreihen gleichzeitig. Für die Ernte auf einem Hektar benötigen die großen Maschinen eine gute Stunde. Zunächst entfernen diese Rübenroder die Blätter sowie den oberen Teil der Rübe.   

Anschließend werden die Rüben aus dem Boden gehoben, grob von Erde befreit und in den Rübenroder transportiert. Im Bauch der Maschine, dem sogenannten Bunker, werden sie gesammelt und dann am Feldrand in Form eines langen Haufens abgelegt, den man Rübenmiete nennt.

 

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Mitte November

In der Kampagne werden die Zuckerrüben in den Zuckerfabriken bis zum Jahresende oder bis Anfang Januar zu Zucker verarbeitet. Da die Ernte von Zuckerrüben im Winter nur unter erschwerten Witterungsbedingungen möglich wäre, werden die Rüben bis Ende November auf „Vorrat“ gerodet und zunächst am Feldrand abgelegt. Um Frostschäden zu vermeiden, werden sie bei längerer Lagerung zugedeckt.

Ob frisch geernet oder gelagert – bevor die Rüben in die Zuckerfabrik transportiert werden, kommt ein Rübenreinigungslader, die „Rübenmaus“, zum Einsatz. Seine Siebbänder entfernen beim Verladen einen großen Teil der noch an den Rüben haftenden Erde. In der Zuckerfabrik werden die Rüben gewaschen, zerkleinert und zu Zucker und weiteren Produkten verarbeitet.