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Die CARMEN-Studie: Eine randomisierte kontrollierte Studie zu den Auswirkungen eines veränderten Kohlenhydrat/Fett-Verhältnisses


Saris W.H., Astrup A., Prentice A.M., Zunft H.J., Formiguera X., Verboeket-van de Venne W.P., Raben A., Poppitt S.D., Seppelt B., Johnston S., Vasilaras T.H., Keogh G.F.: Randomized controlled trial of changes in dietary carbohydrate/fat ratio and simple vs complex carbohydrates on body weight and blood lipids: the CARMEN study. The Carbohydrate Ratio Management in European National diets. Int J Obes Relat Metab Disord. 2000; 24(10): S. 1310–1318.


Durch eine fettreduzierte Ernährungsweise mit einem hohen Gehalt an Kohlenhydraten wurde in dieser Untersuchung an moderat übergewichtigen Erwachsenen ein Gewichtsverlust erreicht. Nach sechs Monaten war das Körpergewicht von Studienteilnehmern mit einer fettreduzierten Diät bei hoher Zufuhr an komplexen Kohlenhydraten um durchschnittlich 2,6 kg reduziert, bei einer Ernährungsweise mit wenig Fett und einem hohen Anteil an einfachen Kohlenhydraten um 1,7 kg im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Ein wesentlicher Teil der erwachsenen Bevölkerung ist von Übergewicht betroffen, was erhöhte Morbiditätsraten und erhebliche Kosten für das öffentliche Gesundheitssystem mit sich bringt, die in vielen Staaten etwa 4 bis 7 % der Gesamtausgaben betragen.

Verschiedene klinische Studien geben Hinweise darauf, dass sich Ernährungsweisen mit geringer Fettzufuhr günstig auf das Lipidprofil auswirken. In der multizentrischen, randomisierten, europäischen CARMEN-Studie (Carbohydrate Ratio Management in European National Diets) wurden die Effekte einer fettreduzierten Ernährung, die reich an einfachen oder komplexen Kohlenhydraten war, auf Körpergewicht und Blutfettwerte untersucht.

Die Studie umfasste fünf europäische Zentren mit jeweils 80 Probanden (40 w / 40 m) ohne relevante Vorerkrankungen im Alter von 20 bis 55 Jahren mit einem BMI zwischen 26 und 35. Die Teilnehmer wurden vier Gruppen zugeteilt: einer Gruppe ohne Intervention mit gewohnter Ernährungsweise (n = 99) und drei Interventionsgruppen (n = 299). Die Interventionsgruppen umfassten eine Kontrollgruppe, deren Ernährung unverändert war, sowie zwei Gruppen mit fettreduzierter Ernährung, von denen eine bevorzugt komplexe (Polysaccharide) und die andere einfache Kohlenhydrate (Mono- und Disaccharide) zu sich nahm. Um die Ernährung zu steuern, wurde in jedem Studienzentrum ein kleiner Laden eröffnet, in dem die Probanden entsprechende Lebensmittel zur freien Auswahl hatten. Über den Barcode wurde sicher gestellt, dass Lebensmittel für die jeweilige Ernährungsweise (unverändert / fettreduziert mit einfachen Kohlenhydraten / fettreduziert mit komplexen Kohlenhydraten) ausgewählt wurden. Darüber wurde auch kontrolliert, dass die eingekaufte Menge den täglichen Energiebedarf zu 75 bis 125 % deckte. Da frische Produkte wie Brot, Fleisch oder Obst und Gemüse hier nicht angeboten wurden, konnten die Studienteilnehmer den zusätzlichen Bedarf in einem Supermarkt decken. Bei Abwesenheit von mehr als zwei Wochen wurden die Probanden von der Studie ausgeschlossen.

Nach einer fünfwöchigen Eingewöhnungsphase erfolgte die Gruppenzuteilung, und die Studienphase von sechs Monaten begann. Die Gesamtnahrungsaufnahme wurde zu Anfang, nach der Eingewöhnungsphase und nach 1, 2, 4 und 6 Monaten der Intervention durch 3 oder 7-Tages-Ernährungsprotokolle bestimmt. Daraus wurde der Gehalt an Makronährstoffen berechnet. Nach 0, 2, 4 und 6 Monaten Intervention wurden Körpergewicht und ‑zusammensetzung sowie Blutfettwerte (Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyzeride), Insulin- und Leptinkonzentrationen bestimmt.

Für die Varianzanalysen wurden die Daten teilweise transformiert, um Normalverteilungen sicherzustellen. Insgesamt 316 Personen verblieben bis zum Ende in der Studie.

Beide Interventionsgruppen mit fettreduzierter Ernährung senkten die Energieaufnahme aus Fetten signifikant: um 10,2 % in der Gruppe mit einfachen Kohlenhydraten und um 7,9 % in der Gruppe mit komplexen Kohlenhydraten. Die aus Proteinen und Kohlenhydraten aufgenommene Energie stieg in beiden Gruppen mit fettreduzierter Ernährung an, und die Energiedichte der Nahrung sank signifikant. Die gesamte Energiezufuhr war bei der fettreduzierten Diät mit komplexen Kohlenhydraten gegenüber den beiden anderen Interventionsgruppen reduziert.

Zu Studienbeginn wurden keine Unterschiede des Körpergewichts und der Körperzusammensetzung zwischen den Studiengruppen beobachtet. Im Verlauf der Studie blieben Körpergewicht und Körperfettmasse bei den Teilnehmern der Kontrollgruppen unverändert, während sie bei den Probanden mit fettreduzierter Nahrung sanken. Nach etwa vier Monaten Intervention veränderte sich das Körpergewicht nur noch wenig. Das Körpergewicht war nach sechs Monaten bei fettreduzierter Ernährung mit komplexen Kohlenhydraten um durchschnittlich 2,6 kg (Körperfettmasse -2,4 kg) und bei fettreduzierter Ernährung mit einfachen Kohlenhydraten um 1,7 kg (Körperfettmasse -1,9 kg) niedriger als zu Beginn.

Veränderungen der Blutfettwerte sowie Insulin- und Leptinspiegel wurden nicht beobachtet.

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