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Diätetische glykämische Last und glykämischer Index in Verbindung mit dem Risiko für Hirngefäßerkrankungen in der EPICOR Kohorte

Sieri S, Brighenti F, Agnoli C, Grioni S, Masala G, Bendinelli B, Sacerdote C, Ricceri F, Tumino R, Giurdanella MC, Pala V, Berrino F, Mattiello A, Chiodini P, Panico S, Krogh V: Dietary Glycemic Load and Glycemic Index and Risk of Cerebrovascular Disease in the EPICOR Cohort.

Eine kohlenhydratreiche Ernährung könnte neben einer Hyperglykämie auch Störungen des Fettstoffwechsels nach sich ziehen und auf diese Weise das Risiko für Schlaganfälle steigern. Der glykämische Index ist eine gängige Messgröße für den Blutglukoseanstieg, der durch ein Lebensmittel verursacht wird, und die glykämische Last bezieht zusätzlich die Kohlenhydratdichte mit ein. Einige zuvor durchgeführte Studien deuteten bereits Zusammenhänge zwischen diesen beiden Parametern und dem Auftreten von zerebrovaskulären Krankheiten an.

EPICOR ist eine italienische prospektive Kohortenstudie, die in den Jahren 1993-1998 47.021 Probanden im Alter von 35-75 Jahren aus fünf Städten (Varese, Turin, Florenz, Ragusa, Neapel) rekrutierte. Die Probanden stellten semiquantitative Angaben zu ihrer Ernährung und ihrem Lebensstil zur Verfügung, zudem wurden Körpergröße und -gewicht gemessen. In der Folgezeit wurden durchschnittlich 10,9 Jahre lang aus Krankenakten Diagnosen für zerebrovaskuläre Erkrankungen entnommen (ICD-10 I60-69, E10-14, I10-15, I46, I70, ICD-9-CM 342, 430-434, 436-438) und mit multivariaten Cox-Modellen auf bestehende Zusammenhänge mit dem Verzehr von Kohlenhydraten aus Nahrungsmitteln mit hohem oder niedrigem glykämischen Index, Stärke, Zucker, Ballaststoffgehalt, glykämischem Index und glykämischer Last hin analysiert. Dabei erfolgte eine Adjustierung für Geschlecht, Alter, Raucherstatus, Bildungsgrad, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Energie-, Fett- und Ballaststoffaufnahme.

Bei 355 Personen kam es zu Hirngefäßerkrankungen, darunter 195 ischämische und 85 hämorrhagische Infarkte, 42 Carotisrevaskularisationen, 31 Todesfälle und 4 nichtklassifizierte Infarkte. Es waren 207 Frauen und 148 Männer betroffen. Eine steigende Zufuhr von Kohlenhydraten war mit einem höheren Infarktrisiko assoziiert: Der Vergleich des Quintils mit höchster Aufnahme an Kohlenhydraten mit dem niedrigsten Quintil ergab ein 2,01-fach höheres Risiko (95% CI = 1,04-3,86). Die Erhöhung der Kohlenhydrataufnahme um eine Standardabweichung steigerte das Risiko um den Faktor 1,49 (95% CI = 1,18-1,90). Dies zeigte sich auch beim Verzehr von Kohlenhydraten aus Nahrungsmitteln mit hohem glykämischen Index (Zunahme der HR um Faktor 1,20 pro Standardabweichung, 95% CI = 1,03-1,41). Der glykämische Index insgesamt sowie die Aufnahme von Stärke und Zucker zeigten keine Assoziationen mit dem Auftreten von Hirngefäßerkrankungen. Bei den beiden oberen Quintilen der glykämischen Last war das Infarktrisiko etwa doppelt so hoch wie beim niedrigsten Quintil (HR 1,95, 95% CI = 1,14-3,33 bzw. HR 2,21, 95% CI = 1,16-4,20).    Die Hauptquelle für eine hohe glykämische Last bei den Probanden dieser Studie waren Weißbrot (36%) und Nudeln (13%), wobei Weißbrot zu den Lebensmitteln mit einem hohen glykämischen Index zählt, während Nudeln einen niedrigen glykämischen Index besitzen. Die hier beobachteten Zusammenhänge zwischen den Eigenschaften aufgenommener Kohlenhydrate und dem Auftreten von Hirngefäßerkrankungen lassen vermuten, dass sich ein hoher postprandialer Blutglukosespiegel auf das Risiko für einen Hirninfarkt auswirken kann.

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