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Beziehungen zwischen der Nahrungszusammensetzung und Adipositas


Bolton-Smith C., Woodward M.: Dietary composition and fat to sugar ratios in relation to obesity. Int J Obes Relat Metab Disord. 1994; 18(12), S. 820–828.


Die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen der Nahrungszusammensetzung und dem Körpermassenindex zeigt, dass es sinnvoll ist, für eine Diät zur Gewichtsreduktion fettarme Lebensmittel zu wählen. Eine Empfehlung, den Zuckerkonsum zu reduzieren, erscheint hingegen nicht angebracht.

Die steigende Prävalenz von Adipositas wird häufig mit einer gestörten Energiebilanz begründet: In den letzten Jahrzehnten haben körperliche Aktivitäten und der damit verbundene Energieaufwand abgenommen, während die Aufnahme über die Nahrung konstant geblieben ist. Neuere Untersuchungen deuten jedoch an, dass metabolische Prozesse durch die Nahrungszusammensetzung beeinflusst werden. Einige Studien weisen darauf hin, dass sich Kalorien aus Fetten unabhängig vom Energiegehalt stärker auf die Entwicklung einer Adipositas auswirken als die aus Kohlenhydraten. Daten aus zwei schottischen Querschnittsstudien wurden hinsichtlich der Effekte von Fetten und Kohlenhydraten unter Betrachtung verschiedener Zuckertypen auf den BMI und das Auftreten von Adipositas analysiert.

Für die „Scottish Heart Health Study“ SHHS wurde zwischen 1984 und 1986 eine geschlechts- und altersstratifizierte Stichprobe von Personen im Alter von 40 bis 59 Jahren aus 22 schottischen Bezirken gewonnen. In der ersten schottischen MONICA-Studie wurden in zwei Bezirken nach identischen Protokollen und durch dieselben Mitarbeiter Menschen im Alter von 25 bis 69 Jahren untersucht. Insgesamt nahmen 5.768 Männer und 5.858 Frauen teil. Sie beantworteten Fragebögen zu soziodemografischen Merkmalen, Lebensgewohnheiten und konsumierten Nahrungsmitteln. Für die statistische Auswertung wurden aus den Fragebögen zur Verzehrhäufigkeit von Lebensmitteln mit Hilfe eines Analyseprogramms Schätzungen für den Konsum von Stärke, Milchzucker (Laktose), intrinsischem (in Lebensmitteln natürlicherweise intrazellulär enthaltener Zucker) und extrinsischem Zucker (extrazellulär oder zugesetzt) sowie Fetten vorgenommen. Deren prozentualer Anteil am Energiegehalt der Nahrung wurde berechnet, Fett/Kohlenhydrat-Quotienten gebildet und diese Quintilen zugeordnet.

Klinische Mitarbeiter maßen Körpergewicht und -größe, woraus der Körpermassenindex (BMI) bestimmt wurde. Frauen mit einem BMI von 25 bis 28,6 wurden als übergewichtig und darüber als adipös klassifiziert, bei Männern galt ein Bereich von 25 bis 30 als übergewichtig und von mehr als 30 als adipös. 8,5 % der Probanden wurden aufgrund der Durchführung einer Diät zur Gewichtsreduktion von der Analyse ausgeschlossen.

Die absolute Aufnahme von extrinsischem Zucker und Laktose war bei Männern höher als bei Frauen, die Aufnahme von intrinsischem Zucker dagegen geringer. Der prozentuale Anteil aller Zuckerarten am Energiegehalt der Nahrung lag zwischen 2 und 53 % (extrinsischer Zucker 1–50 %, intrinsischer Zucker 0,2–17 % und Laktose 0–13 %). Bei beiden Geschlechtern korrelierte die Aufnahme des gesamten Zuckers und von extrinsischem Zucker mit der Energieaufnahme, intrinsischer Zucker und Laktose zeigten negative Korrelationen. Der Gesamtzuckergehalt und die konsumierte Menge extrinsischen Zuckers waren negativ mit dem BMI korreliert, der Konsum von Laktose und intrinsischem Zucker dagegen positiv, ebenso die Quotienten aus Fett und Zucker sowie Fett und extrinsischem Zucker. Kovarianzanalysen führten zu ähnlichen Ergebnissen. Für Laktose und intrinsischen Zucker ergaben sich bei den verschiedenen Geschlechtern inkonsistente Ergebnisse.

Die Energieaufnahme zeigte keinen Zusammenhang zum Quotienten aus Fett und Stärke, aber signifikante Beziehungen zu einem niedrigen Quotienten aus Fett und extrinsischem Zucker, bei Männern auch zu einer geringen Aufnahme von extrinsischem Zucker.

Die Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas sinken bei steigendem Konsum von Kohlenhydraten, höherem Zuckergehalt und größerem Verzehr von extrinsischen Zuckern. Für Stärke, intrinsischen Zucker und Laktose wurde dies nicht beobachtet.

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