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Assoziationen zwischen Saccharose und Zahnkaries: Eine Übersicht der wissenschaftlichen Evidenz


Anderson C.A., Curzon M.E.J., Van Loveren C., Tatsi C., Duggal M.S: Sucrose and dental caries: a review of the evidence. Obes Rev. 2009; 10(1), S. 41–45.


Die Sichtung der wissenschaftlichen Literatur, die Beziehungen zwischen dem Auftreten von Karies und der Höhe des Zuckerkonsums beschreibt, ergab, dass kein belastbarer Zusammenhang besteht. Allerdings wirkt sich die Frequenz des Verzehrs zuckerhaltiger Lebensmittel moderat auf die Entstehung von Karies aus.

Jahrhundertelang war Honig das einzige zur Verfügung stehende Süßungsmittel. Später wurde Zucker aus Indien importiert, doch er war extrem teuer. Während der industriellen Revolution wurde raffinierter Zucker allgemein verfügbar, und damit setzte ein Anstieg der Karieserkrankungen ein. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurden in wissenschaftlichen Arbeiten Hinweise darauf gegeben, dass Kohlenhydrate, einschließlich Zucker, an der Kariesentstehung beteiligt seien.

Saccharose wird von Bakterien der Mundflora zu Polysacchariden und Säuren metabolisiert. Die Polysaccharide formen eine Matrix für bakterielle Plaques, erleichtern die Anheftung von Bakterien an die Zahnoberfläche und stellen ein Substratreservoir dar.

Die genaue Beziehung zwischen dem Zuckerkonsum und der Kariesprävalenz bleibt nach wie vor unklar. Vor diesem Hintergrund wurde eine Literaturanalyse mit Sichtung der wissenschaftlichen Literatur seit 1856 durchgeführt, die sich mit dieser Fragestellung befasste.

Die Untersuchung erfolgte nach Richtlinien des „Cochrane Handbook for Systematic Reviews on Interventions“, die sich durch einen hohen Grad der Standardisierung auszeichnen. Dafür wurden 23 Selektionskriterien aufgestellt und die entsprechende Literatur nach Anzahl der zutreffenden Kriterien von zwei Gutachtern unabhängig voneinander kategorisiert. Zwischen 1856 und 1966 wurde händisch nach Studien gesucht, zwischen 1966 und 2007 sowohl in elektronischen Datenbanken als auch per Hand. Es wurden nur Arbeiten mit Personen von 4 bis 35 Jahren berücksichtigt, die zumeist von Kronen- und seltener von Wurzelkaries betroffen waren. Die Karieserkrankung wurde nach dem jeweiligen wissenschaftlichen Stand beurteilt.

Hinsichtlich der Vergleichbarkeit bereiteten unterschiedliche Relevanz und Qualität der Publikationen sowie die Art der Zucker, die Erfassung der konsumierten Menge, die unterschiedliche Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren bei der statistischen Auswertung und verschiedene Studiendauern gewisse Schwierigkeiten, sodass von einer Metaanalyse abgesehen wurde. Bei den Beurteilungen des Kariesstatus fanden sich relativ wenige Diskrepanzen, was auf gute diagnostische Methoden hinweist, die seit vielen Jahren bestehen und einheitlich angewendet werden.

Es wurden keine vor 1940 verfassten Arbeiten gefunden, die die Selektionskriterien in ausreichendem Maße erfüllten. Zwischen 1940 und 1966 wurden 23 Publikationen gefunden, von denen nach kritischer Prüfung fünf in die Analyse einbezogen wurden. Insgesamt wurden in die systematische Übersicht 91 Artikel aufgenommen. Nur einer davon erfüllte alle 23 Auswahlkriterien, 30 erfüllten 19 oder mehr. Alle anderen Publikationen wurden von der Analyse ausgeschlossen. Die Nichteinbeziehung einiger „klassischer“ Kariesstudien deutet die Wandlung des klinisch-wissenschaftlichen Standards an. Alle verbliebenen Artikel stammten aus anerkannten Fachzeitschriften.

Insgesamt zeigte sich, dass die Evidenz für einen Zusammenhang zwischen der Verzehrmenge von Zucker und der Kariesprävalenz gering war. Dagegen wirkte sich die Frequenz des Zuckerkonsums moderat auf die Entstehung von Karies aus.

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