Menü

Suche

Andere Länder andere Ostertraditionen

Ein Hase, der Eier versteckt, ist an sich schon eine skurrile Vorstellung. Aber bettelnde Osterweiber, die von Haus zu Haus ziehen, oder Strohpuppen, die verbrannt werden? Andere Länder, andere Osterbräuche. Während bei uns der Hase zum Osterfest gehört wie die Henne zum Ei, stößt man rund um den Globus auf völlig andere Bräuche zu Ostern.

Beispiel Finnland. Während hierzulande am Ostersonntag die traditionelle Eiersuche auf dem Programm steht, gibt es in Finnland eine Woche vorher leichte Hiebe mit der Birkenrute. Die sollen an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern und Glück bringen. Nicht minder ungewöhnlich feiern die Schweden: Mit langen Röcken und einem Kopftuch verkleidet, die Wangen rot bemalt, ziehen die Kinder dort ab Gründonnerstag durch die Straßen. Die so genannten Osterweiber wandern mit einem Kaffeekessel in der Hand von Haus zu Haus und betteln um Süßigkeiten – als Dank verschenken sie selbstgemalte Osterbilder.

Feuer und Torrijas

Während wir zu Ostern gemeinsam mit der Familie Eier bemalen und am Samstagabend Osterfeuer entzünden, geht es in Andalusien und im Baskenland am Ostersonntag noch eine Spur heißer zu. Puppen aus Stroh und Stoff, die Judas symbolisieren, werden auf einem Scheiterhaufen verbrannt oder mit Feuerwerkskörpern gefüllt und angezündet. Im Anschluss wird dort wie hier geschlemmt. Ähnlich wie bei uns an Ostern der Schokoladenhase nicht fehlen darf, gehören traditionelle Süßspeisen und Desserts zum Festmenü der Spanier. Gebäck mit Vanillecreme gefüllt oder Torrijas dürfen nicht fehlen. In Deutschland sind Torrijas übrigens als „Arme Ritter” bekannt. Dafür werden Weißbrotscheiben in einer Mischung aus Milch, Eiern und Zucker eingeweicht und anschließend ausgebacken.

Köstliches aufgetischt

In Russland ist Ostern das Fest der Feste. Bei den Russen biegen sich schon am Ostersamstag die Tafeln nur so vor Köstlichkeiten. Am Ostersonntag tragen viele Russen Teile der Leckereien auf den Friedhof. Dort werden Kerzen auf den Gräbern angezündet und der ein oder andere Schluck Wodka auf die Ahnen getrunken. Traditionell bereiten die Russen zum Fest vor allem Osterbrot und -quark vor. Verzehrt werden die süßen Speisen allerdings erst, wenn der Priester sie in der Kirche gesegnet hat.

Wasser marsch!

Segnen lassen die Polen übrigens am Ostersonntag traditionell ihr Frühstück. Beim Essen wird dann ein geweihtes Ei geteilt und man wünscht sich gegenseitig Glück und Gesundheit. Anschließend suchen die Kinder nach versteckten Süßigkeiten. Lebhafter geht es am Ostermontag zu. Am traditionellen „Tag des Wassergießens“ stehen überall junge Leute mit Wasserpistolen, Wasserbeuteln oder Wassereimern und spitzen Passanten nass. Dieses feuchte Vergnügen lässt sich auf einen alten Brauch aus dem Jahr 966 zurückführen. Damals wurde der polnische Herrscher Mieszko I. getauft und Polen zum Christentum bekehrt.

Wasser spielt auch in Australien an Ostern eine große Rolle. Dort sollen verlobte Paare an den Feiertagen fließendes Wasser aus einem Bach schöpfen und bis zum Hochzeitstag aufbewahren. Wenn sich die Liebenden dann vor der Hochzeit mit dem Wasser bespritzen, soll die Ehe glücklich werden.

Stiller und andächtiger geht es in Lateinamerika zu. Dort wird das Osterfest erst im Herbst gefeiert und die Kirchenglocken schweigen von Dienstag bis Ostersamstag. In den Kirchen werden so genannte „monumentos“ – besondere Osteraltäre – aufgestellt, die mit Früchten geschmückt werden. Während der Festtage pilgern die Lateinamerikaner dann von Kirche zu Kirche, bis sie sieben Altäre gesehen haben.

Prächtige Parade

In den USA spielen, ähnlich wie hier, vor allem Ostereier, der Osterhase und christliche Gottesdienste eine wichtige Rolle. Besonders pompös wird es am Ostersonntag in New York. Dann findet auf der Fifth Avenue die traditionelle Easter Parade statt, bei der blumengeschmückte Festwagen und Menschen mit prächtigen, extravaganten Hüten durch die Straße ziehen. Am Tag darauf wird das Weiße Haus zum Schauplatz des alljährlichen Easter Egg Roll. Dafür wird schon seit über 100 Jahren ein abseitiges Gartenstück zur Spielwiese umfunktioniert. Dort werden Dutzende von Eiern mit Esslöffeln hinuntergerollt. Das Beste: Jeder Teilnehmer bekommt als Dankeschön vom Präsidenten und seiner Frau ein signiertes Holzei.

Schon gewusst?

Zu Ostern ist der Schokoladenhase das Lieblingstier der Deutschen. In den 1950er Jahren gingen die süßen Tierchen in Serie und entwickelten sich zum Exportschlager. 2015 wurden in Deutschland 213 Millionen Schokohasen für das Osterfest produziert.