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Atemmaske aus Zucker

Wenn in Peking wieder Smog-Alarm ist, tragen die Bewohner Atemmasken. Auch Allergiker brauchen im Frühjahr oft einen Pollenschutz. Doch die Masken erinnern stark an den Operationssaal. Und vor allem fällt eine Menge Kunststoff-Abfall an. Jasmin Gröschl und Ilka Rosenthal sehen dort ein Zukunfts-Potenzial des Zuckers.

 

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Zuckerfäden in Vlies

Zuckerwatte kennt jeder vom Jahrmarkt. Doch dass die feinen Zuckerfäden wie Wolle gewebt werden können, ist ein futuristischer Ansatz – aus dem die beiden Industriedesign-Studentinnen eine Atemmaske aus Zucker entwickelt haben. Ein mit Zuckerfäden durchwirkter Filter ist das zentrale Element. Ilka Rosenthal erinnert sich: „Die Einarbeitung des Zuckers in ein Vlies stellte uns zuerst vor eine enorme Aufgabe, da dessen Konzentration sehr hoch sein muss. Dennoch musste der Filter dabei beweglich bleiben.“

Damit der Zucker nicht direkt mit dem Gesicht in Verbindung kommt, wird der Filter zwischen zwei Schichten des Bio-Kunststoffs Polylactid eingelegt. Der kompostierbare Kunststoff wird selbst über die Vergärung von Zucker zu Milchsäure hergestellt. Auch darin sehen die Studentinnen eine Chance: „Je knapper das Erdöl wird, desto teurer werden die konventionellen Masken. Unsere Maske ist aus einer natürlichen Ressource hergestellt und birgt kein gesundheitliches Risiko.“

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Originelle Faltung

Wichtig war den Studentinnen auch das Design. Hier ging es sowohl um einen kreativen Entwurf als auch um die Praktikabilität. Um die Oberfläche zu vergrößern, sollte die Maske gefaltet sein. Aber auf welche Weise? Als Inspiration dienten dreidimensionale Strukturen von Tieren, Zellen und Architektur. Jasmin Gröschl sagt hierzu: „Uns war wichtig, dass Gesichtszüge und Mimik erkennbar bleiben. Daher war es eine Herausforderung, eine geeignete Faltung zu finden. Wir wollten ja auch mit unserem Design, das sich von anderen Masken unterscheidet, überzeugen.“

Dafür war Geduld gefragt: Insgesamt elf Wochen haben die beiden an ihrem Konzept gearbeitet. Sie fertigten viele Vormodelle an, testeten unterschiedliche Materialien. Für den finalen Prototyp brauchten sie fast 15 Stunden. Ilka Rosenthal sagt, es kam auf viele kleine Details an, die sie Schritt für Schritt zu ihrem Modell führten. Das richtige Material, die Anpassung an unterschiedliche Kopfumfänge, die Art der Faltung – alles musste berücksichtigt werden. Auch das Einspinnen des Zuckers in das Vlies war aufwändig. „Wir haben sogar Tests mit Zuckerwatte gemacht, um deren Haltbarkeit zu ermitteln.“

Zucker hat Potenzial

Die beiden Industriedesignerinnen gehen davon aus, dass ihr Entwurf Zukunft hat – auch weil Kunststoff und Silberionen in herkömmlichen Atemmasken immer mehr in die Kritik geraten. Jasmin Gröschl sagt: „Mich hat besonders gereizt, aus einem Einwegprodukt, welches in vielen Ländern tagtäglich auf der Straße zu sehen ist und nach nur kurzer Zeit im Müll landet, ein umweltfreundlichen Produkt zu machen.“

Die Mühe hat sich gelohnt. Ihr Entwurf wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Die Studentinnen ziehen ein positives Resümee: „Es war eine neue Erfahrung und hat sehr viel Spaß gemacht.“ Auch ihr Blick auf den Zucker hat sich mit dem Wettbewerb verändert: „Wir sehen Zucker nicht mehr nur als Lebensmittel. Er kann viel mehr als nur süß sein.“

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